Kein Run auf deutsche Immobilien Image

Deutsche Wohnimmobilien erleben derzeit einen Preisboom, ohne das eine spekulative Blase erkennbar ist (siehe S. 2/3). Ausländer partizipieren an dieser Entwicklung jedoch kaum. So zeigen neue Zahlen der Bundesbank, dass ausländische Investoren im Jahr 2011 Immobilien im Wert von nur 685 Millionen Euro in Deutschland gekauft haben – ein Minus von fast 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf der anderen Seite belief sich der Wert der Verkäufe auf insgesamt 816 Millionen Euro, sodass der Grundbesitz in ausländischer Hand sogar verkleinert wurde. Insgesamt beläuft sich der Grundbesitz in ausländischer Hand auf 23 Milliarden Euro.

Die meisten Immobilien wurden aus Luxemburg gekauft, vermutlich von dort ansässigen Fonds. Da diese Fonds wiederum überwiegend von deutschen institutionellen Anlegern finanziert werden, handelt es sich nur teilweise um echte grenzüberschreitende Transaktionen. Besonders aktiv sind auch die Niederlande, von denen aus Immobilien in Deutschland im Wert von 126 Millionen Euro gekauft wurden. Mit 208 Millionen Euro überwiegen jedoch auch hier die Verkäufe.

Bei den Ländern mit negativen Salden fällt auf, dass es sich vor allem um Länder handelt, die in der jüngeren Vergangenheit von schweren Immobilienkrisen betroffen waren oder sind, wie die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich oder auch Spanien. Scheinbar wird versucht mit realisierten Gewinnen in Deutschland die Verluste im Heimatland teilweise zu kompensieren.

Zu den Ländern, die hierzulande ihren Immobilienbestand aufgebaut haben, zählen vor allem die Schwellenländer. So weisen sowohl die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, China und Russland positive Salden auf, wenn auch auf niedrigem Niveau. Russische Investoren waren demnach mit Käufen in Höhe von 50 Millionen Euro am aktivsten.
Insgesamt ist der Umfang der grenzüberschreitenden Transaktionen im deutschen Immobilienmarkt eher gering. Abgesehen von den Jahren 2006 und 2007, in denen zusammen 15 Milliarden Euro in den Immobilienmarkt investiert wurden, bewegen sich die investierten Beträge zwischen 200 Millionen und 2 Milliarden Euro jährlich.

Die hohen Investitionen in den Jahren 2006 und 2007 wurden vor allem von Beteiligungsgesellschaften getätigt, die hier Wertsteigerungen realisieren und Wirtschaftlichkeitsreserven heben wollten. Für andere institutionelle und eigenkapitalstarke internationale Investoren scheint der hiesige Markt hingegen weniger attraktiv zu sein. Gründe hierfür können vor allem die im europäischen Vergleich hohen Transaktionskosten sein, die durch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer in vielen Bundesländern noch einmal gesteigert wurden, sowie die geringe Transparenz des Marktes. Während in anderen Ländern Daten von Immobilien einschließlich der Preise auch auf Ebene von Straßen frei verfügbar sind, ist die Datenlage in Deutschland deutlich schwieriger und teilweise auch widersprüchlich. Hinzu kommt, dass die Märkte kleinteiliger sind als im Ausland, wo sich das Marktgeschehen im Prinzip auf eine Metropole fokussiert. Die genauen Bestimmungsgründe für internationale Immobilienkäufe will das IW Köln jedoch noch genauer untersuchen.

IW-Kurzbericht, 3. November 2017

Hubertus Bardt / Michael Grömling Hausgemachte InvestitionshemmnisseArrow

In der Debatte über die deutsche Investitionsperformance stehen meist öffentliche Investitionen in Infrastrukturen im Mittelpunkt. Da aber rund 90 Prozent der Investitionen keine öffentlichen, sondern private Investitionen sind, spielen die Rahmenbedingungen für unternehmerische Investitionen für die gesamtwirtschaftliche Investitionstätigkeit eine dominante Rolle. mehr

Hubertus Bardt im ÖkonomenBlog
Gastbeitrag, 13. Oktober 2017

Hubertus Bardt im ÖkonomenBlog Mit Investitionen den Wohlstand der Zukunft sichernArrow

Deutschland geht es auf den ersten Blick glänzend. Hohe Beschäftigung, ausgeglichener Haushalt und eine stabile Konjunktur. Doch damit das so bleibt, braucht Deutschland eine Investitionsagenda. mehr