Seit fast zehn Jahren gibt es die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Damit will sich die Politik verpflichten, die wirtschaftliche Entwicklung, den Schutz der Umwelt und soziale Ziele langfristig in Einklang zu bringen. Zur Erfolgsmessung werden 21 Indikatoren mit insgesamt 35 Teilindikatoren betrachtet. Dabei gibt es allerdings nur eine sehr geringe Zahl an Indikatoren, die sich im engeren Sinne auf die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit beziehen. Auch sind soziale und ökologische Themen in den Indikatoren sehr viel ausdifferenzierter beschrieben als ökonomische.

Für die Beschreibung der Fortschritte einer wirtschaftlich nachhaltigen Entwicklung muss die Auswahl der Indikatoren erweitert werden. Mit der Einbeziehung weiterer Kennziffern kann das Bild vom Zustand der Basis für die langfristige Sicherung von Wohlstand vervollständigt werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln schlägt daher vor, die Nachhaltigkeitsberichte der Bundesregierung um folgende Kennziffern zu ergänzen:

  • Die Stabilität des Geldwertes und damit eine niedrige Inflationsrate ist ein wichtiger kurzfristiger Indikator zur Beurteilung der ökonomischen Nachhaltigkeit. Hohe Inflationsraten führen zu einer Vernichtung von Vermögen und ungewollten Umverteilungseffekten.
  • Die Arbeitsproduktivität ist ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität führt dazu, dass bei gleichem Arbeitseinsatz mehr Wohlstand erzeugt werden kann.
  • Die Höhe der Lohnstückkosten im internationalen Vergleich ist ein wichtiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Eine gute Wettbewerbsposition und ein hohes Wohlstandsniveau können nur dann verteidigt werden, wenn die Lohnstückkosten im Vergleich zu anderen Industrieländern nicht zu hoch sind.
  • Eine hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte bedeutet eine Lastverschiebung von der heutigen auf spätere Generationen. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wäre es angemessen, wenn jeweils nur der erwirtschaftete Wohlstand auch verbraucht wird und es zu keinen oder nur geringen Lastverschiebungen in die Zukunft kommt. Dabei darf aber nicht nur auf die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen geschaut werden, sondern auch auf die Schulden, die beispielsweise im Rentensystem versteckt sind.
  • Eine hohe Abgabenlast beeinträchtigt die Unternehmensinvestitionen und verringert Leistungsanreize in der Volkswirtschaft. Eine vom hohen deutschen Niveau ausgehende Verringerung der Abgabenquote wäre damit eine Basis für stärkeres wirtschaftliches Wachstum.
  • Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist ein Zeichen dafür, wie stark die erwerbswirtschaftliche Basis eines Landes ist. Ein dauerhaft niedriger werdender Anteil führt dazu, dass der gesamtwirtschaftliche Wohlstand von einer kleiner werdenden Gruppe erarbeitet werden muss.
  • Eine qualitativ gute öffentliche Verwaltung und damit verbundene Rechtstaatlichkeit sind Voraussetzung für die nachhaltige Sicherung von Wohlstand, ebenso eine auf das Notwendige beschränkte und effiziente Bürokratie.
  • Erfolgreiche Unternehmensgründer sind der Motor einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung. Dies gilt insbesondere auch für eine mittelständisch geprägte Wirtschaft. Wichtig ist dabei aber die Anzahl der Gründungen, die auch nach einigen Jahren noch erfolgreich am Markt sind.
  • Deutschland hat mit den Exporten die Basis für wirtschaftlichen Wohlstand gelegt. Daher ist eine Sicherung der starken Weltmarktstellung deutscher Unternehmen von hoher Bedeutung.
  • Innovationen erzeugen wirtschaftliche Dynamik und vergrößern das Potenzial für zukünftigen Wohlstand. Dies gilt insbesondere in modernen Industriegesellschaften wie Deutschland.
  • Wohlstand wird nicht nur durch bestehende Produktion gesichert. Wichtig sind vielmehr auch ausländische Direktinvestitionen in Deutschland. Diese zeugen von der Qualität der Standortbedingungen und bilden eine Grundlage für Arbeitsplätze und Einkommen der Zukunft.
  • Die Entwicklung der Unternehmen und der langfristige wirtschaftliche Wohlstand erfordern ein stabiles und dynamisches Finanzsystem. Dazu ist unter anderem ein breites Angebot verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmen notwendig, um entsprechend der jeweiligen Phase des Unternehmens eine passende Finanzierung zu sichern.

Hubertus Bardt
Indikatoren ökonomischer Nachhaltigkeit
IW-Analysen Nr. 72, Köln 2012, 52 Seiten, 16,90 Euro

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