Hinter diesen Zielgrößen steckt das Konzept der Abkoppelung des wirtschaftlichen Wachstums von negativen Umwelteinflüssen. Mit einer Stabilität des Energieverbrauchs bei steigendem Wohlstand wird eine solche Abkoppelung erreicht: Mehr Wohlstand geht nicht mit mehr Energieverbrauch einher. Wenn die weiterhin benötigte Energie klimafreundlicher erzeugt werden kann, können die negativen Klimawirkungen bei wachsendem Wohlstand reduziert werden. Der Endenergieverbrauch verteilt sich auf drei Sektoren: 41 Prozent werden in Haushalten, Gewerbe und Dienstleistungen verbraucht, 30 Prozent im Verkehr und 29 Prozent in der Industrie (AG Energiebilanzen, 2016).

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Betrachtet man die Entwicklung der Industrie (Kokereien und Mineralölraffinieren), zeigt sich innerhalb einer Dekade ein leichter Rückgang des Energieverbrauchs. Zwischen 2005 und 2014 ist der Energieeinsatz um 3,6 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Wertschöpfung trotz der zwischenzeitlichen Krise um insgesamt 18,1 Prozent angestiegen. Die Entkoppelung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum hat in der Industrie also stattgefunden.

Aus dieser Entwicklung ergibt sich eine rechnerische Verringerung der Energieintensität, also der eingesetzten Energie je Wertschöpfungseinheit, um 18,4 Prozent. Die Energieeffizienz der industriellen Produktion hat sich mithin deutlich verbessert. Hinter diesem positiven Trend stecken jedoch zwei Entwicklungen: So kann sich der Energieverbrauch allein durch die unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik der einzelnen Sektoren verändern. Ein beschleunigtes Wachstum der weniger energieintensiven Branchen führt zu einer verringerten durchschnittlichen Energieintensität und liefert einen positiven Wachstumsbeitrag. Ein verlangsamtes Wachstum der energieintensiven Industrien hätte einen negativen Wachstumseffekt, würde sich aber ebenfalls positive auf Energieeffizienzkennziffern auswirken. Neben diesem Struktureffekt bleibt ein Nettointensitätseffekt, der – unabhängig von den strukturellen Verschiebungen – den tatsächlichen Effizienzfortschritt anzeigt.

Die Zerlegung der Entwicklung der Energieintensität in die beiden Komponenten (zur Methodik s. (Ang/Liu, 2001; Ang/Liu/ Chew, 2003; Ang, 2004; Ang, 2005 und Bardt, 2013) zeigt, dass beide Einflüsse seit 2005 fast gleichermaßen wirkten. Der Struktureffekt hat mit einem Minus von 8,6 Prozentpunkten einen deutlichen Beitrag zur Verringerung der Energieintensität geleistet. Dahinter liegt sowohl eine Stärke weniger energieintensiver Branchen (beispielsweise plus 55 Prozent der Wertschöpfung im Fahrzeugbau, plus 98 Prozent in der Elektronik- und Optikindustrie), aber auch eine Wachstumsschwäche energieintensiver Industrien (plus 4 Prozent Metallerzeugung und Bearbeitung, plus 7 Prozent Chemische Industrie). Stärker war jedoch der verbleibende Nettointensitätseffekt mit einem Minus von 10,8 Prozentpunkten seit 2005. Dieser zeigte – unterbrochen von der Wirtschaftskrise 2009 – eine kontinuierliche Entwicklung. Im Durchschnitt der Jahre kam es so zu einer autonomen Verbesserung der Energieintensität von 1,3 Prozent im Jahr, während die Energieintensität inklusive Struktureffekt um 2,2 Prozent zurückgegangen ist.

Für die weitere Gestaltung der Energiepolitik ist die autonome Verbesserung der Energieintensität, der Nettoenergieintensität, eine entscheidende Größe, wichtiger noch als die totale Energieintensität. Letztere wird durch die wirtschaftlich nachteilige schwache Entwicklung der energieintensiven Branchen überzeichnet und eignet sich daher nicht als Erfolgsindikator für eine wirtschaftlich verträgliche Energiepolitik.