Ilaria Maselli
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Ilaria Maselli

Senior Economist The Conference Board

Bart van Ark
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Bart van Ark

Executive Vice President and Chief Economist The Conference Board

Das Vertrauen der Konsumenten hat in Deutschland im letzten Quartal 2019 weiter nachgelassen. Nachdem der Wert des TCB-IW-Verbrauchervertrauens über die ersten drei Quartale 2019 mit rund 104 Punkten recht konstant war, ging er im Schlussquartal um fast 2 Punkte auf 102 Punkte zurück (Abbildung links). Anfang 2018 lag das Verbrauchervertrauen nach einem deutlichen Anstieg noch auf seinem Höhepunkt von fast 108 Punkten. Seitdem befindet sich die Zuversicht der deutschen Konsumenten im Rückwärtsgang, die Konsumneigung ist aber noch über der neutralen Linie von 100 Punkten. Es mehren sich jedoch die Anzeichen, dass der in Deutschland seit zehn Jahren anhaltende Konsumaufschwung merklich an Schwung verliert. Im vierten Quartal 2019 lag der preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Private Konsum schätzungsweise um mehr als 16 Prozent über dem Wendepunkt im vierten Quartal 2009. Diese bislang ordentliche Konsumkonjunktur wird vor allem durch einen Vergleich mit den vorhergehenden Jahren deutlich. Im Zeitraum 2001, also nach Beendigung des vorhergehenden New-Economy-Booms, bis 2009 war nur ein Gesamtanstieg von 0,6 Prozent zu verzeichnen, also eine über neun Jahre andauernde Konsumstag­nation.

Die bisher kaum stockende Konsumentwicklung über die letzten zehn Jahre speiste sich vor allem aus der sehr guten Arbeitsmarktentwicklung. Seit dem Jahr 2009 entstanden hierzulande fast 4,5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze. Zuletzt kamen von der Arbeitsmarktentwicklung aber kaum noch Impulse. Das zeigen auch die Komponenten des TCB-IW-Verbrauchervertrauens (Abbildung rechts). Dieser Konsumindex misst die Stimmung unter den Konsumenten auf einer international einheitlichen Basis und er wird gemeinsam von The Conference Board (TCB) und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) publiziert (Bardt et al., 2019). Die Daten werden vierteljährlich in Zusammenarbeit mit Nielsen im Rahmen des Global Consumer Confidence Surveys erhoben (The Conference Board, 2019).

  • Erheblich verschlechtert haben sich die von den Konsumenten wahrgenommenen Beschäftigungsperspektiven. Der Abstand von positiven zu negativen Einschätzungen zeigte im vierten Quartal 2019 mit 20 Prozentpunkten zwar immer noch einen deutlich überwiegenden Optimismus. Der Wert lag im Frühjahr 2019 aber noch bei 34 Prozentpunkten sowie Anfang 2018 sogar bei 40 Prozentpunkten und war damit doppelt so hoch wie zuletzt. Tatsächlich ist die Arbeitsmarktlage immer noch gut. Auch 2020 wird die Beschäftigung voraussichtlich erneut das Vorjahresniveau übertreffen, der Verlauf fällt jedoch schwach aus. Zuletzt zeigte sich bereits eine verstärkte Anmeldung von Kurzarbeit – was einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert. Im abnehmenden Optimismus um den eigenen Arbeitsplatz spiegeln sich die ersten Negativschlagzeilen über angekündigte Entlassungen und Kurzarbeit in der Industrie wider.
  • Die Bewertung der eigenen Finanzlage der Konsumenten in Deutschland hat sich im vierten Quartal 2019 ebenfalls eingetrübt. Wie bei den Beschäftigungsperspektiven bleibt trotz der jüngsten Eintrübung unter dem Strich ein positives Gesamtbild. Seit Mitte 2018 bewegt sich der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen mit leichten Schwankungen auf einem relativ stabilen und langfristig hohen Niveau. Dies reflektiert die bislang sehr gute Beschäftigungsdynamik und die in weiten Teilen der Wirtschaft gute Einkommensentwicklung.
  • Im vierten Quartal 2019 hat sich die Anschaffungsneigung der Konsumenten deutlich verschlechtert. Nur eine kleine Mehrheit der befragten Verbraucher ist der Auffassung, dass aktuell ein guter Zeitpunkt für die Anschaffung von besonders langlebigen Konsumgütern ist. Dabei übertreffen die Positivantworten die Skeptiker um gerade einmal 3 Prozentpunkte. Dieser Indikator war im Herbst 2019 noch auf 13 Punkte hochgesprungen, er lag davor mit rund 7 Punkten ebenfalls deutlich über dem aktuellen Wert.