Im Gefolge der zweiten Infektionswelle ab Herbst 2020 zeichnet sich eine tiefe Spaltung in der deutschen Wirtschaft ab. Dies reflektiert sich auch in den Ergebnissen der Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bezüglich der Lage im Frühjahr 2021 (Grömling, 2021): Während sich im Durchschnitt der Industrieunternehmen ein deutlich positiver Saldo zwischen den optimistischen und pessimistischen Bewertungen der aktuellen Produktionslage in Höhe von 9 Prozentpunkten ergibt, zeigt sich im Dienstleistungssektor ein hoher Negativsaldo von –18 Prozentpunkten. Bei den Produktionsperspektiven für das gesamte Jahr 2021 dominieren sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern die Optimisten – die Erwartungshaltung in der Industrie ist jedoch erheblich besser.

Richtet sich der Blick auf die exportorientierten Unternehmen aus allen Branchen – eine Differenzierung, die im Rahmen der IW-Konjunkturumfrage erstmals vorgenommen wird (Grömling, 2021) – dann schneiden die auf globale Märkte ausgerichteten Firmen bei der Lagebewertung im Frühjahr 2021 (gegenüber Frühjahr 2020) etwas schlechter ab als die Industrie insgesamt, jedoch deutlich besser als die Dienstleister. Für das gesamte Jahr 2021 ist das Erwartungsbild der Exportwirtschaft etwas besser als in der Industrie insgesamt und vor allem im Vergleich mit den Dienstleistern. Das bedeutet jedoch nicht, dass in diesem Teil der Volkswirtschaft alles rund läuft. Die exportierenden Unternehmen sind vielmehr noch zusätzlichen Risiken ausgesetzt.

Um die aktuellen Belastungen der deutschen Unternehmen im Frühjahr 2021 zu vermessen, wurden im Zeitraum Ende März bis Mitte April 2021 im Rahmen der IW-Konjunkturumfrage über 2.800 Unternehmen in Deutschland nach den aktuellen Risiken für ihre Geschäftsabläufe befragt. Die IW-Umfrage liefert ein differenziertes Risikoprofil der deutschen Industrie-, Bau- und Dienstleistungsunternehmen hinsichtlich diverser angebotsseitiger Störungen und nachfrageseitiger Risiken (Grömling et al., 2021).

Unter den international relevanten Problemen werden von den Firmen der Exportwirtschaft am häufigsten die Beschränkungen der internationalen Arbeitstätigkeit genannt (Abbildung). Die damit verbundenen Probleme stehen oftmals nur am Rand der öffentlichen Diskussion, sind für diese Unternehmen aber hoch relevant. Durch die Einschränkungen von internationalen Dienstreisen können neue Kontakte nur schlecht geknüpft werden, der Aufbau von Anlagen oder schnelle Reparaturen durch eigenes Personal wird erschwert. Auch die Schulung von Lieferanten, die internationale Qualitätssicherung oder die Kontrolle von Umwelt- und Sozialstandards bei Zulieferern können ohne Besuche vor Ort nur eingeschränkt stattfinden. 36 Prozent der Exportunternehmen sehen deshalb ihre Geschäftstätigkeit auch noch bis zur Jahresmitte 2021 stark eingeschränkt, weitere fast 37 Prozent dieser Firmen sprechen von weniger großen Beeinträchtigungen. In der gesamten Indus­trie sind es 28 Prozent der Firmen, die starke, und knapp 30 Prozent, die weniger starke Belastungen erkennen. Zum Befragungszeitraum Ende März/Anfang April 2021 wurden diese Beschränkungen in den exportorientierten Firmen sogar noch stärker wahrgenommen, so dass bis zur Jahresmitte 2021 eine leichte Entspannung bei der Infektionslage und den damit einhergehenden Beschränkungen angenommen wird.