Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland wurde in den letzten Jahren durch eine robuste Konsumtätigkeit vorangetrieben. Bereits im vergangenen Jahr hat sich aber das Konsumvertrauen deutlich zurückgebildet und auch die tatsächliche Konsumdynamik hat spürbar an Drive verloren. Nach einer kurzen Erholung zum Jahresstart hat sich das Vertrauen der Verbraucher im gerade abgelaufenen Quartal wieder eingetrübt. Das TCB-IW-Verbrauchervertrauen lag im Zeitraum April bis Juni 2019 mit 103,4 Punkten um fast einen Punkt unter dem Niveau des Vorquartals. Gemeinsam veröffentlichen The Conference Board (TCB) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) diesen international breit aufgestellten Konsumindex, dessen Daten in Zusammenarbeit mit Nielsen im Rahmen des Global Consumer Confidence Surveys erhoben werden (Bardt et al., 2019).

Seit seinem letzten Höhepunkt im ersten Quartal 2018 ist das Verbrauchervertrauen hierzulande mehr oder weniger kontinuierlich zurückgegangen (Abbildung links). Der aktuelle Wert liegt um über 4 Punkte unter dem Höchststand von Anfang 2018 mit 107,7 Punkten. Dies ist eine ernstzunehmende Eintrübung der Verbraucherperspektiven in Deutschland. Gleichzeitig befindet sich der Wert aber immer noch auf der optimistischen Seite, wobei ein Wert von 100 eine neutrale Stellung einnimmt. Der aktuelle Rückgang ist daher noch kein konjunkturelles Krisensignal, sondern ein weiteres Indiz einer Eintrübung der binnenwirtschaftlichen Entwicklung.

Das TCB-IW-Verbrauchervertrauen setzt sich aus drei Teilkomponenten zusammen: den Beschäftigungsaussichten der Befragten, ihrer finanziellen Situation und ihrer Einschätzung, ob es aktuell ein guter Zeitpunkt für größere Anschaffungen ist. Zur Veranschaulichung wird hier jeweils der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen gebildet. Der rechte Teil der Abbildung zeigt, dass im mittelfristigen Fokus die Beurteilung der Beschäftigungsperspektiven am besten abschneidet, die der aktuellen Kaufneigung am schlechtesten:

  • Die eigenen Beschäftigungsperspektiven der in Deutschland befragten Konsumenten waren über die letzten Jahre relativ stabil und sehr gut. Bei dem Höhepunkt vor einem Jahr war der Anteil derjenigen mit guten Jobaussichten um fast 42 Prozentpunkte höher als der Anteil mit negativen Erwartungen. Der Saldo hat dann aber bis Anfang dieses Jahres auf 35,6 Punkte nachgegeben, was dem Niveau des Jahres 2017 entspricht. Zuletzt hat der Saldo sogar noch einmal deutlich verloren und er beläuft sich auf 33,5 Prozentpunkte. Dabei bezeichnen 65 Prozent der Befragten ihre Beschäftigungsaussichten für die nächsten zwölf Monate als gut oder sehr gut, rund 31 Prozent als weniger gut oder schlecht.
  • Der Saldo zur eigenen Finanzlage hat sich in den letzten Quartalen durchgehend und deutlich verschlechtert. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass er Anfang 2018 kräftig in die Höhe gesprungen ist – von unter 10 auf über 27 Prozentpunkte. Gemessen daran ist die aktuelle Differenz von Optimisten und Pessimisten in Höhe von 16,2 Punkten auch eine Korrektur in Richtung des vorher gewohnten Niveaus.
  • Deutlich kritischer, aber auch verhältnismäßig konstant ist die Antwort zur der Frage, ob aktuell ein guter Zeitpunkt für die Anschaffung von Konsumgütern ist. Die auch mittelfristig eher moderate Kauflaune zeigt sich darin, dass der Anteil derjenigen, die einen aktuell guten Kaufzeitpunkt sehen, gerade einmal um 6 Prozentpunkte über dem Anteil der Befragten mit skeptischer Shopping-Laune liegt. Vom dritten Quartal 2017 bis zum ersten Quartal 2018 stieg der Saldo von 0 auf 11,4 Punkte, er sank dann wieder in mehreren Schritten auf 4,5 Punkte ab und erholte sich zuletzt auf gut 7 Prozentpunkte.