Die dramatische Wirtschaftskrise infolge der weltweiten Corona-Epidemie wird auch in Deutschland zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Investitionen führen. Für 2020 rechnet die IW-Konjunkturprognose mit einem Einbruch der Anlageinvestitionen um etwa 9 Prozent, bei den Ausrüstungsinvestitionen wird der Rückgang doppelt so stark sein. Im kommenden Jahr ist mit einem leichten Nachholeffekt zu rechnen, sodass die Investitionen um 6 und 12 Prozent ansteigen werden (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2020). Besonders für die Industrie ist mit einem massiven Minus zu rechnen.

Zur Beurteilung der Entwicklung der Produktionspotenziale der Industrie kann auf die Entwicklung des Kapitalstocks zurückgegriffen werden, die als Veränderung des Bruttoanlagevermögens gemessen wird. Statt der Abschreibungen werden hier die Abgänge berücksichtigt, sodass auch abgeschriebene Investitionsgüter als produktionswirksam angesehen werden (Grömling et al., 2019). In der Krise 2009 kam es auch zu einem außergewöhnlichen Investitionsrückgang, sodass der Kapitalstock des Verarbeitenden Gewerbes 2009 und 2010 um 0,7 und 0,8 Prozent gefallen war. Nur langsam nahm danach das Investitionsverhalten Fahrt auf, 2016 wurden Wachstumsraten von 0,8 und 1,0 Prozent erreicht.

Unabhängig von der damaligen Wirtschaftskrise haben die energieintensiven Branchen seit Jahren systematisch schlechter abgeschnitten als andere Industriebereiche (Bardt/Schaefer, 2017). Selbst während der investitionsstarken Jahre mit ansteigendem Kapitalstock der Industrie insgesamt, nahmen die energieintensiven Branchen weiter ab. 2017 stieg der Kapitalstock des Verarbeitenden Gewerbes um 1,0 Prozent an, die energieintensiven Branchen gingen um 0,9 Prozent zurück. Selbst ein weiterer Anstieg der Investitionen vor Eintritt der Corona-bedingten Industrierezession wird nicht zu einem wachsenden Kapitalstock der Branchen mit hohem Energieverbrauch geführt haben.