Für die Dekarbonisierung des Energiesystems ist der Ausbau der erneuerbaren Energien von besonderer Bedeutung. Im Rahmen der Energiewende sind politische Ziele gesetzt worden, die einen linearen Anstieg des erneuerbaren Anteils am Stromverbrauch bis zu mindestens 80 Prozent in 2050 vorsehen. Die letzte große Koalition hat die Ausbauziele um Ausbaukorridore erweitert. In 2025 sollten 40-45 Prozent und in 2035 55-60 Prozent erreicht werden (s. Abbildung). Diese Korridore bewegen sich genau im Rahmen des bisher schon gültigen Zielpfades. Zur Kostenbegrenzung wurde jedoch auch ein jeweils oberer Wert beschrieben.

Union und SPD setzen mit 65 Prozent in 2030 ein neues Ziel, das nach bisheriger Planung erst 2040 erreicht werden sollte. Das neue Ziel bedeutet, dass die bisherige Marke zehn Jahre früher erreicht würde. Gleichzeitig läge man damit in 2030 15 Prozentpunkte über dem bisher angestrebten Niveau. Obwohl wir uns heute schon gut 5 Prozentpunkte über dem Ausbaupfad bewegen, bedeutet das neue Ziel, dass der Anteil der Erneuerbaren ab sofort um 2,2 Prozentpunkte im Jahr (im Vergleich zu bisher 1,5 Prozent) wachsen muss.

Problematisch ist, dass die vor allem den Stromsektor betreffenden Erneuerbaren-Ziele nicht garantieren, das eigentlich wichtige Ziel einer signifikanten CO2-Reduktion zu erreichen. So wird Deutschland mit großer Sicherheit sein selbst gestecktes Ziel von 40 Prozent CO2-Emissionsreduktion (im Vergleich zum Jahr 1990) für 2020 verpassen. Darüber hinaus können immer neue Erneuerbare-Ziele ohne eine tiefgreifende Reform des wirtschaftspolitischen Instrumentariums zu dramatischen und zugleich unnötigen Kostensteigerungen beim Projekt „Energiewende“ führen.

Obwohl eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien für eine deutliche Reduzierung von CO2-Emissionen unerlässlich ist, droht das Ausrufen eines höheren Erneuerbaren-Ziels als politische Begründung für die Fortführung oder sogar Ausweitung des sehr teuren EEG-Förderschemas verwendet zu werden. Anstatt immer neue aus der Klimapolitik abgeleitete Nebenziele (Erneuerbare Energien, CO2-Sektorziele, Elektromobilität, Energieeffizienz) auszurufen und einen damit begründeten kos-tentreibenden Förder- und Regulierungsdschungel anzulegen, sollte die zukünftige Bundesregierung wegweisende Schritte in Richtung einer gesicherten, kostengünstigen und umfassenden Dekarbonisierung gehen. Da wir erst am Anfang des gesellschaftlichen Großprojekts Dekarbonisierung stehen, ist es erforderlich, jetzt die regulatorischen Weichen zu stellen, um die volkswirtschaftlichen Kosten sowie die Belastungen für Endverbraucher und Wirtschaft im Rahmen zu halten.