Teilzeitarbeit wird vielfach als Bestandteil des Segments atypischer Beschäftigungsverhältnisse betrachtet und damit bewusst in den Gegensatz zu einem als wünschenswert angesehenen und rein normativ definierten „Normalarbeitsverhältnis“ gerückt (Schäfer, 2010). Dies ist vor allem aus zwei Gründen problematisch: Erstens wird einer Teilzeitbeschäftigung damit ein erhöhtes Prekaritätspotenzial unterstellt und zweitens wird impliziert, dass Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse zu einem nennenswerten Anteil unfreiwillig eingegangen werden (Walwei, 2014). Aus gleichstellungspolitischer Sicht wird daher bisweilen ein Handlungsbedarf unterstellt, da Teilzeit überwiegend von Frauen ausgeübt wird (Wanger, 2015).

Die Gründe für die Ausübung von Teilzeit können in ökonomische und nicht-ökonomische Motive aufgeteilt werden. Wie Daten des Mikrozensus für das Jahr 2015 zeigen, spielen ökonomische Gründe für Teilzeit bei Frauen nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich 12 Prozent geben an, keine Vollzeittätigkeit gefunden zu haben. Bedeutender ist die – freiwillige oder unfreiwillige – Betreuung von Kindern (26 Prozent) sowie die Teilzeitarbeit aus anderen Gründen (32 Prozent). Weitere 21 Prozent geben an, sonstige familiäre oder persönliche Verpflichtungen zu haben. Dabei zeigen sich starke Divergenzen zwischen den verschiedenen Altersgruppen: Während bei den 30- bis 34-jährigen Frauen mit 59 Prozent das Motiv der Kinderbetreuung dominiert, ist es bei den 60- bis 64-jährigen mit 56 Prozent die freiwillige Teilzeit aus anderen Gründen (Statistisches Bundesamt, 2016).

Besonders die gleichstellungspolitische Diskussion fokussiert stark auf die Kinderbetreuung als Motiv für Teilzeit. Um die unfreiwillige Teilzeit zu reduzieren, sind bereits viele familienpolitische Leistungen ausgeweitet oder neu konzipiert worden, zum Beispiel der Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur, der Ausbau von Ganztagsschulen oder die beabsichtigte Einführung einer Familienarbeitszeit. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen hängt unter anderem davon ab, inwieweit und aus welchen Gründen ein unerfüllter Wunsch nach Mehrarbeit besteht. Es kann keineswegs vorausgesetzt werden, dass eine unzureichende Kinderbetreuungsinfrastruktur die Haupt­ursache für unerfüllte Erwerbswünsche von Frauen ist. Wanger (2015) zeigt, dass von allen Teilzeitbeschäftigten, die als Grund die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen angaben, lediglich ein Fünftel die unbefriedigende Betreuungssituation dafür verantwortlich macht. Dagegen geben weitere 49 Prozent an, dass die Betreuungssituation keinen entscheidenden Einfluss hatte, das übrige Viertel machte dazu keine Angaben.

Von Bedeutung für die Inzidenz von Teilzeitarbeit bei Frauen sowie die Aufteilung der Erwerbsarbeit in Familien sind somit nicht allein externe Faktoren, sondern auch individuelle Wünsche. Eine eigene Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (Wagner et al., 2007) für das Jahr 2015 zeigt: Die durchschnittliche Arbeitszeit von abhängig beschäftigten Männern (im Alter von 20 bis unter 65 Jahren) beträgt 41,3 Stunden pro Woche, während Frauen durchschnittlich 32,0 Stunden pro Woche arbeiten.

Dieser Gap spiegelt jedoch nicht die unterschiedlichen Arbeitszeitpräferenzen wider. Die Abbildung zeigt unter anderem die Arbeitszeitwünsche von abhängig Beschäftigten, wenn Kinder unter 14 Jahren im Haushalt betreut und/oder Angehörige gepflegt werden. Die Daten bestätigen zunächst das vermutete Bild, dass häufig ein arbeitsteiliges Arrangement getroffen wird und sich Frauen in diesen Fällen mehr Zeit für Betreuungsaufgaben wünschen. Ihre gewünschten Arbeitszeiten liegen dann überwiegend in einem Korridor zwischen 20 und unter 35 Stunden.

Sind keine Betreuungspflichten zu erfüllen, also keine Kinder vorhanden und keine Angehörigen zu pflegen, konvergieren die gewünschten Arbeitszeiten deutlich stärker. Während sich die Verteilung der Arbeitszeiten bei Männern kaum verändert, nimmt die gewünschte Arbeitszeit bei Frauen deutlich zu. Die Unterschiede lassen sich als einen „Care-Gap“ interpretieren, der im Durchschnitt bei Frauen rund 6,0 Stunden und bei Männern etwa -0,5 Stunden beträgt, das heißt im Zuge der Betreuung von Kindern oder Angehörigen findet oft eine Spezialisierung zu Ungunsten der Erwerbsbeteiligung von Frauen statt.

Es verbleibt aber ein unerklärter „Gender Time Gap“: Die gewünschte Arbeitszeit von Frauen ist durchschnittlich 3,6 Stunden pro Woche niedriger als die von Männern, auch wenn keine Betreuungsverpflichtungen bestehen. Die Ursachen für diesen Abstand sind noch nicht abschließend geklärt: Weitere Auswertungen zeigen, dass in der Altersgruppe der 50- bis unter 65-Jährigen offenbar größere Differenzen vorliegen als in der Gruppe der 20- bis unter 35-Jährigen und bei Akademikern geringere Unterschiede als bei Geringqualifizierten zu beobachten sind. Denkbar ist, dass tradierte oder gesellschaftlich verfestigte Rollenbilder oder unterschiedliche Präferenzstrukturen für die Wahl der Wunscharbeitszeiten von Bedeutung sein könnten. Die Befunde signalisieren daher weiteren Forschungsbedarf. Andernfalls würden die in der öffentlichen Diskussion eingebrachten Maßnahmen, mit denen familienpolitischen Aspekten in der Arbeitswelt mehr Geltung verschafft werden sollen, ins Leere laufen.