Die 2015 und 2016 aus Kriegs- und Krisenländern geflüchteten Personen sind bislang auf dem Arbeitsmarkt nur wenig in Erscheinung getreten. Im September 2016 lag die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern lediglich um 34.000 über dem Vorjahresmonat und auch die Anzahl der Arbeitslosen (+ 87.000) ist nur mäßig gewachsen (Bundesagentur für Arbeit, 2016). Der größte Teil der Geflüchteten durchläuft noch das Asylverfahren oder befindet sich in Maßnahmen zur Integration und steht dem Arbeitsmarkt noch nicht oder allenfalls eingeschränkt zur Verfügung.

Spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 wird es aber in verstärktem Maß dazu kommen, dass Zuwanderer aus Maßnahmen heraus in den Arbeitsmarkt eintreten. Aufgrund der Qualifikations- und Motivstruktur muss erwartet werden, dass zunächst der Eintritt in das Segment einfacher Tätigkeiten angestrebt wird. So erreicht das Anforderungsniveau des Zielberufs arbeitsuchender Flüchtlinge in 60 Prozent der Fälle nur das einer Anlerntätigkeit (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2016a). Erst wenn der Erwerb oder gegebenenfalls die Anerkennung vorhandener beruflicher Qualifikationen vorangeschritten ist, kann sich dies ändern.

Vor diesem Hintergrund kommt der Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage im unteren Qualifikationsbereich große Bedeutung zu. Dies gilt umso mehr, als dass es bereits 1,2 Millionen arbeitslose Einheimische gibt, die ihre Erwerbsaspiration ebenfalls im Segment einfacher Tätigkeiten sehen. Diesem nicht realisierten Arbeitskräfteangebot stehen aber nur 127.000 gemeldete offene Stellen gegenüber (Sta-​tistik der Bundesagentur für Arbeit, 2016b). Selbst wenn konzediert wird, dass zu diesen gemeldeten Stellen weitere ungemeldete hinzukommen, muss auch ohne die Geflüchteten von einem erheblichen Angebotsüberschuss im Segment der Einfacharbeit ausgegangen werden.

Grundsätzlich ist es zwar richtig, dass das zusätzliche Arbeitskräfteangebot der Geflüchteten auf einen allgemein leistungs- und aufnahmefähigen Arbeitsmarkt trifft, für das Segment der einfachen Tätigkeiten gilt dies jedoch nur eingeschränkt. Einfache Tätigkeiten sind oftmals leichter automatisierbar als komplexe Tätigkeiten und fallen häufiger dem technischen Fortschritt zum Opfer. Im Dienstleistungsbereich führen relativ hohe Arbeitskosten zu höheren Preisen, was einen Rückgang der Nachfrage bewirkt.

Die erzielten Erfolge bei der Reduzierung der Erwerbslosigkeit Geringqualifizierter beruhen nicht darauf, dass im Segment der Einfachtätigkeiten vermehrt Arbeitsplätze entstanden wären. So ist zwar die Erwerbstätigenquote in den letzten zehn Jahren angestiegen, die Erwerbsbeteiligung ist jedoch weitgehend konstant geblieben (Abbildung). Gleichzeitig ist die Anzahl der Erwerbstätigen erheblich zurückgegangen. Seit 2006 – also exakt im Zeitraum des deutschen „Job-Wunders“ – sind über eine halbe Million von Geringqualifizierten besetzte Arbeitsplätze verschwunden, was in erster Linie daran liegt, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter ohne abgeschlossene Berufsausbildung noch stärker schrumpfte.

Mithin haben strukturelle Höherqualifizierung und ein besseres Matching am Arbeitsmarkt (Klinger/Rothe, 2012) dazu geführt, dass sich die Arbeitsmarktlage Geringqualifizierter verbesserte, nicht aber die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Segment der Einfacharbeit. Die Herausforderungen der Zuwanderungswelle 2015/2016 legen nahe, dass mittelfristig Konzepte gefragt sein werden, mit denen die Rahmenbedingungen zur Schaffung solcher Arbeitsplätze verbessert werden können. In der kurzen Frist muss es erst einmal darum gehen, weitere Verschlechterungen dieser Rahmenbedingungen, wie sie zuletzt zum Beispiel durch den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn oder die anstehende Novelle des Arbeitsnehmerüberlassungsgesetzes herbeigeführt wurden, zu verhindern.