In vielen europäischen Ländern ist die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in der Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 deutlich angestiegen. Die Arbeitslosenquote der 15- bis 29-Jährigen lag im Jahr 2013 in Griechenland und Spanien jeweils bei über 40 Prozent, in Kroatien, Italien und Portugal bei rund 30 Prozent. Beobachter befürchteten bereits das Herausbilden einer „verlorenen Generation“. Denn eine hohe und persistente Arbeitslosigkeit von Jugendlichen hat gravierende soziale, politische und individuelle Konsequenzen für die weitere Erwerbsbiografie (Eichhorst et al., 2013).

Dass die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen höher ist als die von Älteren, hat verschiedene Gründe. Erstens haben Jüngere weniger Erfahrung und können somit weniger Humankapital aufbauen – sowohl allgemein als auch betriebsspezifisch. Wenn die Entlohnung nicht flexibel genug diese Produktivitätsnachteile ausgleicht, ist die Beschäftigung von Jugendlichen im Ergebnis teurer. Zweitens bevorzugen der Kündigungsschutz und andere Arbeitsmarktregulierungen meist Ältere. Drittens können Berufseinsteiger in segmentierten Arbeitsmärkten oft ihre Interessen – zum Beispiel bei der Lohnfindung – nicht durchsetzen, weil die Regeln von den Arbeitsplatzbesitzern bestimmt werden (Oesingmann, 2017).

Es gibt aber auch rein statistische Gründe für die überproportional hohe Arbeitslosenquote junger Menschen. Im Nenner der Quote steht nicht die Gesamtzahl der Jugendlichen, sondern nur die Anzahl derer, die am Arbeitsmarkt – erfolgreich oder nicht – teilnehmen. Dazu gehören nicht die vielen Jugendlichen, die noch in der Schule oder im Studium sind. Somit kann aus einer Jugendarbeitslosenquote von 40 Prozent nicht geschlossen werden, dass 40 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind. Dies trifft nur auf die Gruppe der Jugendlichen zu, die nicht mehr zur Schule oder zur Universität gehen. Diese Gruppe kann erstens recht klein sein, sodass sie die Jugendlichen insgesamt schlecht repräsentiert. Zweitens resultiert daraus eine qualifikatorische Verzerrung: Die Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule oder Universität gehen, sind im Durchschnitt schlechter beruflich qualifiziert. Denn die künftig besser Qualifizierten befinden sich meist noch im Bildungssystem. Aus der unterdurchschnittlichen Qualifikation resultieren unterdurchschnittliche Arbeitsmarktchancen.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Verzerrung wird in den letzten Jahren vermehrt ein anderer Indikator der Arbeitsmarktlage Jugendlicher genutzt, die sogenannte NEET-Quote. Die Quote gibt den Anteil der Jugendlichen an, der nicht arbeitet und sich auch nicht im Bildungssystem befindet („not in employment, education or training“). Die NEET-Quote kann weiter danach differenziert werden, ob die nicht arbeitenden und nicht lernenden Jugendlichen im Grundsatz arbeiten wollen. Dabei spielt keine Rolle, ob sie konkrete Schritte zur Arbeitsuche unternommen haben.