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Nach monatelangen Auseinandersetzungen haben sich die 160 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation WTO auf ihr erstes Abkommen zur Vereinfachung des internationalen Warenaustausches geeinigt. Die Handelsorganisation erwartet dadurch einen zusätzlichen Nutzen für die Weltwirtschaft zwischen 400 Milliarden und 1.000 Milliarden US-Dollar. Doch freier Handel verbessert nicht bloß die wirtschaftliche Situation von Unternehmen und Verbrauchern, sondern fördert auch das friedliche Zusammenleben. Ob die friedensstiftende Wirkung des Handels größer ist als beispielsweise die von Militärallianzen, ist aber umstritten. Auch Militärallianzen stellen eine Verbindung zwischen Staaten her, die vor Kriegen schützt. Welche Form der internationalen Kooperation mehr dazu beigetragen hat, Kriege zu verhindern, untersuchten die zwei Wissenschaftler Matthew Jackson und Stephen Nei von der Stanford-Universität. Sie analysierten, welche Vorteile sich für Staaten ergeben, wenn sie ein anderes Land angreifen – und wie Militärallianzen oder Handelsallianzen das Kalkül beeinflussen.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass Allianzen, die nur auf militärischen Beziehungen beruhen, nicht beständig für Frieden sorgen. Handelskooperationen dagegen können Kriege wirkungsvoller verhindern: Zum einen entsteht eine ökonomische Motivation, die Handelsallianz zu erhalten, weil sonst der Handel unterbrochen wird, zum anderen will ein Staat nicht nur den Frieden mit seinem Handelspartner erhalten, sondern entwickelt auch ein Interesse, den Handelspartner vor Angriffen Dritter zu schützen, um den Handel aufrecht zu erhalten.

Anhand von historischen Daten über Kriege und Handelsbeziehungen zwischen 1816 und 2003 zeigen Jackson und Nei, dass die Verdichtung und Stabilisierung von Allianzen mit dem deutlichen Rückgang von zwischenstaatlichen Kriegen nach 1950 einhergeht, und dass der Rückgang nicht allein durch Militärallianzen erklärt werden kann, sondern Handelsallianzen einen wesentlichen Erklärungsgehalt besitzen. Zum Beispiel zeigt sich in den beiden Weltkriegen, dem Vietnam Krieg und dem Korea Krieg wie groß der Einfluss von Netzwerken ist. Hier standen sich nie alliierte Koalitionen gegenüber.

Die Allianzen nahmen nach dem zweiten Weltkrieg deutlich zu: Zwischen 1816 und 1950 unterhielt ein Land im Durchschnitt 2,5 Allianzen und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Allianz in den nächsten fünf Jahren auseinanderbricht lag bei einem Drittel. In dem darauffolgenden Zeitraum von 1951 bis 2003 vervierfachte sich die Anzahl auf 10,5 Allianzen, und die Wahrscheinlichkeit dass eine Allianz in den nächsten fünf Jahren auseinanderbricht sank auf fünf Prozent. Mit der Entwicklung der Handelsnetze ging ein Rückgang der Kriege einher: Im Zeitraum zwischen 1820 und 1959 gab es zwischen Kooperationspartnern durchschnittlich 0,00056 kriegerische Auseinandersetzungen pro Jahr (Grafik). In den darauffolgenden Jahren von 1960 bis 2000 sank die Anzahl um mehr als ein Zehntel.

Tatsächlich stieg der globale Handel nach dem Zweiten Weltkrieg zügig an, unter anderem auf Grund des Wachstums der Containerschifffahrt und auch, weil die Menschen in vielen Ländern mehr Einkommen zur Verfügung hatten. Ein Staat, der an dem Wohlergehen seines Handelspartners interessiert ist, macht sich diesen nicht zum Feind. Langfristige Handelsbeziehungen vermindern somit Kämpfe und Kriege. Die Globalisierung hat in diesem Sinne friedensstiftend gewirkt.

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Die deutschen Exporterfolge werden im Ausland kritisch beäugt. Doch wer die Politik zum Handeln auffordert, muss gute Gründe haben. Protektionismus muss sich jedenfalls Deutschland nicht vorwerfen lassen. Ein Gastbeitrag im Handelsblatt von IW-Direktor Michael Hüther. mehr