Die Jüngeren im Visier Image

„Jünger und attraktiver“, so betitelte der DGB Anfang 2014 seinen Bericht über die Mitgliederentwicklung der acht DGB-Einzelgewerkschaften. Insgesamt wurde die Zahl der jüngeren Mitglieder (bis zu 27 Jahren) im Jahr 2013 um 2,6 Prozent gesteigert, während die Mitgliedszahl über alle Altersgruppen hinweg um 0,1 Prozent abnahm. Ob sich dieser Erfolg fortgesetzt hat, ist unklar. Der DGB veröffentlichte für 2014 keine weiteren Einzelheiten, einzelne Gewerkschaften wie die IG Metall oder ver.di berichten aber über weitere Hinzugewinne. Damit scheinen sich die verschiedenen Kampagnen zur Mitgliedergewinnung auszuzahlen. Die IG Metall startete 2012 ihr „Studierendenprojekt“ zur besseren Ansprache der Studierenden und 2013 ihre Kampagne „Revolution Bildung“ zur Verbesserung der Bildungschancen. Die IG Bergbau, Chemie, Energie eröffnete 2011 die Kampagne „Unser Einsatz für deine Übernahme“ um sicherzustellen, dass möglichst viele Auszubildende nach ihrem Abschluss in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen werden, die IG Bauen-Agrar-Umwelt folgte ein Jahr später mit einem ähnlichen Rezept.

Wie wichtig solche Kampagnen sind, wird beim Blick auf die Altersstruktur der Gewerkschaften deutlicher. Während der gewerkschaftliche Organisationsgrad aller Arbeitnehmer im Jahr 2014 bei 17,5 Prozent lag, erreichte er bei den Arbeitnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren nur 12,1 Prozent (Grafik). Mit 14,4 Prozent fällt der Organisationsgrad in der Gruppe der 31- bis 40-Jährigen kaum höher aus. Deutlich besser organisiert sind die 41- bis 50-Jährigen sowie die Über-50-Jährigen. Sie kommen auf 18,3 bis 22,2 Prozent. Damit sind die älteren Arbeitnehmer fast doppelt so gut organisiert wie die Jüngeren.

Diese Diskrepanz schlägt sich auch in der Altersstruktur der Mitglieder nieder. Die beiden älteren Altersgruppen stellen zusammen 70 Prozent aller erwerbstätigen Gewerkschaftsmitglieder aber nur gut 60 Prozent aller Arbeitnehmer. Umgekehrt stellen die beiden jüngeren Altersgruppen 30 Prozent aller Gewerkschaftsmitglieder, aber 40 Prozent aller Arbeitnehmer. Wie ausgeprägt die Alterung der Gewerkschaften ist, zeigt ein längerfristiger Vergleich. Im Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2000 stellten die beiden mittleren Altersgruppen noch jeweils 30 Prozent aller Mitglieder, zusammen also 60 Prozent. Zwischen 2002 und 2006 wuchs zunächst die Gruppe der 41- bis 50-Jährigen auf über 37 Prozent und zwischen 2008 und 2012 dann die Gruppe der Über-50-Jährigen auf 36 Prozent. Durch diesen Effekt nahmen der Anteil der beiden mittleren Gruppen um fast 10 Prozentpunkte ab und der Anteil der beiden oberen Gruppen entsprechend zu. Die Überalterung der Gewerkschaftsmitglieder wird sich negativ auf die Entwicklung des Organisationsgrads auswirken. Scheiden die älteren Jahrgänge nach und nach aus dem Arbeitsleben aus, ohne durch Zugänge bei den Jüngeren kompensiert zu werden, wird der Organisationsgrad langfristig weiter sinken.

Ansprechpartner

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger
Interview, 20. November 2017

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger „Dreht uns nicht den Saft ab” Arrow

Arndt Kirchhoff, IW-Präsident und Chef des Autozulieferers Kirchhoff, äußert sich im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger über Energie, notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Landes und den Tarifstreit. mehr

10. Oktober 2017

Hagen Lesch Reallöhne: Arbeitnehmer im PlusArrow

Dass sich Deutschlands gute Wirtschaftslage nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer niederschlage, ist ein oft zu hörender Vorwurf – insbesondere aus dem Gewerkschaftslager. Doch die Zeiten sinkender Reallöhne sind lange vorbei. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 27. September 2017

Hagen Lesch Internationaler ArbeitskampfvergleichArrow

In einer globalisierten Wirtschaft bedrohen Streiks die Lieferpünktlichkeit und damit auch Kundenbeziehungen. Je weniger Arbeitstage durch Arbeitskämpfe verloren gehen, desto besser ist das für die Planungssicherheit der Unternehmen. Der Soziale Friede ist deshalb ein wichtiger Standortfaktor. Ein internationaler Arbeitskampfvergleich unter 22 OECD-Ländern für den Zeitraum 2007 bis 2016 zeigt, dass es um die Qualität der Arbeitsbeziehungen recht unterschiedlich bestellt ist. mehr