Die Unterzeichnung des Teilabkommens zwischen den USA und China wird zweifelsohne positive Effekte auf die weltwirtschaftliche Entwicklung haben, angenommen es kommt zu keiner Eskalation des US-Handelskonflikts mit anderen Handelspartnern. Die aufgrund des Handelsstreits im Laufe der letzten zwei Jahre gestiegene Unsicherheit hat nicht nur das Geschäftsmodell global agierender Unternehmen infrage gestellt, sondern auch erhebliche Rückschläge für die Weltkonjunktur mit sich gebracht. Nun zeigt es sich, dass eine Einigung doch möglich ist – auch wenn es nur eine Teil­einigung ist. Viele Aspekte sollen dabei abgedeckt werden: von der aus US-Sicht als unfair empfundenen Währungspolitik der Chinesischen Zentralbank über den forcierten Technologietransfer bei ausländischen Investitionen in China bis hin zu dem bestehenden Handelsdefizit der USA gegenüber dem Reich der Mitte (USTR, 2020). Viele Fragezeichen bleiben jedoch und es ist entscheidend, dass im nächsten Schritt die Vereinbarungen im Rahmen eines umfassenden Handelsabkommens konkretisiert und erweitert werden.

Die USA versprechen sich von dem Abkommen mit China vor allem einen Rückgang des Handelsbilanzdefizits und neue Arbeitsplätze in der US-Industrie. Die Entwicklung des US-Außenhandels in 2019 hat bereits gezeigt, dass die neu eingeführten Zölle auf chinesische Importe ihre Spuren in den Handelsströmen hinterlassen haben. So sanken die US-Importe aus China in den Monaten Januar bis November um über 15 Prozent. Zwar haben die Vergeltungsmaßnahmen auch die US-Exporte in die Volksrepublik um knapp 12 Prozent sinken lassen. Doch unter dem Strich ist das Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber dem Reich der Mitte in dem Zeitraum um fast 62 Milliarden US-Dollar gesunken. Im gesamten Jahr 2018 lag es noch bei knapp 420 Milliarden US-Dollar.

Was nach einem Erfolg klingt, dürfte jedoch, wenn überhaupt, nur einen geringen Beitrag zu der versprochenen Wiederbelebung der Industrie leisten. In einer globalisierten Welt und bei der bestehenden Wettbewerbs­intensität der Weltmärkte können protektionistische Maßnahmen gegenüber einem Land, im aktuellen Fall gegenüber China, kaum dazu führen, dass die Importe durch heimische Produktion ersetzt werden. Wenn die Preise von Produkten aus China aufgrund der hohen Zölle steigen, so besteht die Möglichkeit, auf andere Länder auszuweichen, wenn die USA keinen Kostenvorteil in dem entsprechenden Bereich haben. Das ist auch anhand der Handelsstatistik bereits zu erkennen (Abbildung). Dem gesunkenen Handelsdefizit der USA gegenüber China steht ein Anstieg der Defizite gegenüber Europa, Nordamerika und anderer asiatischer Länder gegenüber. Zusammengerechnet war der Anstieg der Defizite gegenüber Mexiko, Kanada, Vietnam, Taiwan, der EU und der Schweiz höher als der Rückgang des Defizits gegenüber China. Die Zölle hatten somit eher einen handelsumlenkenden Effekt und haben wenig zu dem Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Handelsdefizits der USA beigetragen, zumal ein Leistungs- und auch ein Handelsbilanzdefizit an sich ein makroökonomisches Phänomen darstellt, was von zahlreichen Größen wie der Sparneigung der Bevölkerung und der Unternehmen, dem fiskalpolitischen Kurs der Regierung und der Investitionstätigkeit im In- und Ausland abhängt.