Kurz vor der Präsidentschaftswahl gibt es erstaunlich wenig Äußerungen des US-Präsidenten zu dem Thema internationaler Handel. Es ist ihm nämlich nicht gelungen, das Leistungsbilanzdefizit zu senken. Im Gegenteil: Das Defizit stieg zwischen 2016 und 2019 um 21,6 Prozent an, getrieben unter anderem von einem Anstieg des Handelsbilanzdefizits um 15,3 Prozent auf 864,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019.

Selbst gegenüber China ist das Leistungsbilanzdefizit in der Gesamtbetrachtung des Zeitraums 2016 bis 2019 gestiegen. Der starke Anstieg in den ersten zwei Jahren konnte durch den Rückgang im Zuge des Handelskonflikts im Jahr 2019 um 70,9 Milliarden US-Dollar nicht mehr wettgemacht werden. Denn gleichzeitig erhöhte sich 2019 das Defizit gegenüber Mexiko um 27,6 Milliarden US-Dollar, in der Gesamtbetrachtung 2016 bis 2019 belief sich der Anstieg sogar auf 41,8 Milliarden US-Dollar (Abbildung). Und auch die Defizite gegenüber Japan, Taiwan und Korea stiegen 2019 um 6,8 Milliarden US-Dollar, 8,5 Milliarden US-Dollar und 4,2 Milliarden US-Dollar entsprechend an. Zudem verringerte sich der Überschuss gegenüber Kanada um 13,9 Milliarden US-Dollar und der Überschuss gegenüber Singapur und Hongkong sank entsprechend um 6,0 Milliarden US-Dollar und 5,4 Milliarden US-Dollar. Zusammengerechnet ergeben allein diese Veränderungen einen Anstieg des US-Leistungsbilanzdefizits im Jahr 2019 von 72,4 Milliarden US-Dollar, der den Rückgang gegenüber China übersteigt. Dass das gesamtwirtschaftliche US-Leistungsbilanzdefizit nicht noch weiter gestiegen ist, lag vor allem an dem vergleichsweise niedrigen Ölpreis und der Ausweitung der heimischen Ölproduktion im Jahr 2019 (Kolev, 2020).