Männer konkurrieren zu viel, Frauen am liebsten gar nicht Image

Tatsächlich sind es oft Männer, die Führungspositionen besetzen. Frauen machen seltener Karriere. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Zum einen legen Frauen wegen Schwangerschaft und Kindererziehung im Schnitt längere Erwerbspausen ein, die häufig mit einem Wiedereinstieg in Teilzeit verbunden sind. Zum anderen spielen auch persönliche Präferenzen bei der Berufswahl eine Rolle. Frauen entscheiden sich öfter für soziale Berufe, die weniger Aufstiegsmöglichkeiten bieten.

Aber auch unterschiedliches Verhalten in Konkurrenzsituationen könnte ein Grund dafür sein, dass Frauen weitaus seltener Führungspositionen besetzen. Gneezy et al. (2003) haben in einer groß angelegten experimentellen Studie das unterschiedliche Wettbewerbsverhalten von Frauen und Männern untersucht. Die Teilnehmer sollten dabei in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Rätsel lösen. Die Wissenschaftler beo-
bachteten, dass sich das Geschlecht der Gegenspieler signifikant auf das Wettbewerbsverhalten von Frauen und Männern auswirkte. Während sich die durchschnittliche Leistung von Frauen und Männern im Wettbewerb mit Teilnehmern des gleichen Geschlechts kaum unterschied, blieb die Leistung von Frauen in direkter Konkurrenz zu Männern deutlich zurück (siehe Abbildung). Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen im direkten Wettbewerb mit Männern ihre Fähigkeiten unterschätzen. Männer konkurrieren zu viel, Frauen am liebsten gar nicht, so das Fazit der Autoren.

Empirische Evidenz für ein geschlechterspezifisches Wettbewerbsverhalten findet sich auch in einer Studie von Dohmen et al. (2011). Sie haben untersucht, ob sich Frauen und Männer für unterschiedliche Arten der Entlohnung entscheiden. Männer und Frauen konnten sich, nachdem sie einige Aufgaben gelöst hatten, entweder für eine feste Bezahlung oder für eine Bezahlung nach gelösten Aufgaben entscheiden. Bei gleichem Produktivitätsniveau entschieden sich 60 Prozent der Männer für eine Bezahlung nach Leistung, aber nur 40 Prozent der Frauen. Auch Buser et al. (2014) kommen in einer Untersuchung der mathematischen Fähigkeiten und der Selbsteinschätzung von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe zu dem Schluss: Frauen unterschätzen ihre mathematischen Fähigkeiten und vermeiden wenn möglich Wettbewerb – ganz im Gegensatz zu Männern.

Diese und weitere sehr ähnliche Forschungsergebnisse tragen dazu bei, die geringe Zahl von Frauen in Führungspositionen zu erklären. Sie lassen darauf schließen, dass Frauen eher dazu tendieren, ihre eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen und Wettbewerbssituationen zu vermeiden. Der Wettbewerb mit anderen ist jedoch ein elementarer Bestandteil des beruflichen Aufstiegs. Gerade als Führungskraft und auf dem Weg dorthin sind ein selbstsicheres Auftreten und eine gute Selbsteinschätzung unabdingbar. Um die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zu steigern, ist es daher wichtig, Frauen früh in einer positiven Selbsteinschätzung zu bestärken und sie zu ermuntern, sich offensiv dem unternehmensinternen Wettbewerb zu stellen. Eine Frauenquote für Aufsichtsräte leistet hierzu keinen erkennbaren Beitrag.

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27. April 2017

Girls' Day „Lass es mich tun und ich werde es verstehen“Arrow

Heute ist Girls‘ Day. Inzwischen öffnen Unternehmen und Hochschulen schon zum 17. Mal ihre Pforten für den „Mädchen-Zukunftstag“. Ziel ist es, junge Frauen an technische und naturwissenschaftliche Berufe heranzuführen. Oliver Koppel, Bildungsökonom im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, hält den Girls‘ Day jedoch lediglich für einen ersten Schritt – erfolgversprechender seien zum Beispiel längerfristig angelegte Schülerkollegs. mehr auf iwd.de

8. März 2017

Frauenquote Dieser Weg wird steinig und schwerArrow

Seit Januar 2016 müssen in Deutschland börsennotierte Unternehmen freie Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen, bis ihr Anteil in diesem Gremium 30 Prozent ausmacht. Darüber hinaus gilt für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen an Führungspositionen – mit dem Ziel der Geschlechterparität. In den vergangenen beiden Jahren haben es zwar mehr Frauen in Aufsichtsräte, Vorstände und Leitungsstellen geschafft, aber bis hier ein Gleichgewicht erreicht ist, dürften noch einige Jahrzehnte vergehen. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 8. März 2017

Wido Geis Töchter arbeiten weniger im Haushalt mitArrow

Mädchen im Teenageralter verbringen heute weniger Zeit mit Hausarbeit als noch vor zehn Jahren. Lag der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die im Schnitt über 45 Minuten am Tag mithelfen, zu Beginn des neuen Jahrtausends bei 68,2 Prozent, so sind es heute nur noch 45,7 Prozent. Damit haben die geschlechterspezifischen Rollenunterschiede der Kinder in der Familie deutlich abgenommen. mehr