Förderung erneuerbarer Energien Image

Bei einem Quotensystem ist jeder Kraftwerksbetreiber verpflichtet, einen festgelegten Anteil seines Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Diesen Anteil muss er mit Zertifikaten nachweisen. Zertifikate werden für die Erzeugung erneuerbarer Energien erteilt. Sie sind handelbar. Der Kraftwerksbetreiber kann den erforderlichen Anteil erneuerbarer Energien also entweder selbst erzeugen oder er kauft Zertifikate von Betreibern Erneuerbarer-Energien-Anlagen zu. Kann er nicht ausreichend Zertifikate für den erzeugten Strom nachweisen, so drohen ihm Strafzahlungen.

Einspeisetarife sehen keinen Mindestanteil erneuerbarer Energien vor. Hier werden die Anreize dadurch gesetzt, dass die Betreiber Erneuerbarer-Energien-Anlagen für jede Kilowattstunde erzeugten Stroms eine gesetzlich festgelegte Mindestvergütung erhalten. Die Mindestvergütung übersteigt den Marktpreis für eine Kilowattstunde Strom oft um ein Vielfaches. Dadurch wird dem Anlagenbetreiber das Risiko von Preisschwankungen am Strommarkt vollständig abgenommen.

Seit den 1990er Jahren nimmt die Anzahl der weltweiten Förderinstrumente für erneuerbare Energien kontinuierlich zu (siehe Grafik). Einspeisetarife und Quotensysteme wurden dabei in etwa gleicher Anzahl eingeführt. Seit einiger Zeit hebt sich diese Parallelität allerdings auf. In den letzten fünf Jahren wurden weltweit 44 neue Einspeisetarife aber nur 15 neue Quotensysteme eingeführt. Diese Entwicklung spricht dafür, dass Einspeisetarife den Quotensystemen von der Politik als überlegen angesehen werden.

Die theoretischen Argumente sprechen allerdings eher dafür, dass Quotensysteme vorteilhafter sind. So können Ausbauziele erneuerbarer Energien mit einer festgelegten Quote genau erreicht werden. Dies ist wichtig, um einerseits die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Andererseits wird ausgeschlossen, dass für die Gesellschaft durch einen zu starken Ausbau erneuerbarer Energien unnötig hohe Kosten entstehen. Bei einem Einspeisetarif wäre es hingegen Zufall, wenn der Staat die Mindestvergütung in genau der Höhe festlegt, die für ein bestimmtes Ausbauziel erforderlich ist. Bei Einspeisevergütungen herrscht nur ein geringer Wettbewerb unter den Anlagenbetreibern. Sie erhalten die Mindestvergütung unabhängig von der aktuellen Situation am Strommarkt. In einem Quotensystem verkaufen die Anlagenbetreiber ihren Strom hingegen zu Wettbewerbspreisen und -bedingungen direkt am Markt. Sie erhalten zusätzlich den Erlös aus dem Verkauf ihrer Zertifikate – ebenfalls zu Wettbewerbsbedingungen. Der erhöhte Wettbewerb bei einem Quotensystem reduziert die Planungs- und Investitionssicherheit für die Anlagenbetreiber. So muss das Preisrisiko bei der Vermarktung des Stroms vom Anlagenbetreiber selbst getragen werden. Möglicherweise lässt sich daher mit Einspeisetarifen ein stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien anreizen. Der stärkere Wettbewerb führt jedoch auch zu einem höheren Druck, Kostensenkungspotenziale zu realisieren. Um im Markt zu bestehen, müssen die kostengünstigsten Anlagen und die besten Standorte genutzt werden. Durch ein europaweites Quotenmodell könnte dieser Wettbewerb auf ein noch größeres Gebiet ausgedehnt werden. Ebenso hilft der Wettbewerb dem Ziel, erneuerbare Energien langfristig auch ohne Förderung in den Markt zu integrieren. Genau hier liegt der entscheidende Vorteil von Quotensystemen. Durch die Marktreife erneuerbarer Energien wird die Förderung schließlich überflüssig.

Empirisch lässt sich nicht nachweisen, ob ein Einspeisetarif oder ein Quotensystem den Ausbau erneuerbarer Energien erfolgreicher antreibt. Sowohl Länder mit Einspeisetarifen als auch Länder mit Quotensystemen haben ihre Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht oder eben auch nicht erreicht. Dies spricht dafür, dass die Wahl des Förderinstruments nicht der ausschlaggebende Faktor für den erfolgreichen Ausbau erneuerbarer Energien ist. Der Ausbauerfolg hängt vielmehr von der Attraktivität für die Investoren ab. Der wichtigste Faktor sind stabile Rahmenbedingungen für die Investitionen. Beispiele zeigen, dass Anpassungen der Förderung den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen können. So ist die neuinstallierte Photovoltaikleistung in der Tschechischen Republik aufgrund der 2011 eingeführten Solarsteuer deutlich zurückgegangen. Auch der spanische Photovoltaikmarkt ist aufgrund der Kürzung der Einspeisetarife 2009 fast vollständig eingebrochen. Darüber hinaus sind einfache Genehmigungsverfahren und gute Netzanschlussbedingungen erforderlich, um attraktive Investitionsbedingungen zu schaffen.

http://www.ren21.net/Portals/97/documents/GSR/REN21_GSR2011.pdf

7. November 2017

Interview mit Jürgen Hacker „Nationale Alleingänge sind in der Klimapolitik kontraproduktiv“Arrow

Immer wieder wird das Emissionshandelssystem der EU dafür kritisiert, das Klima nicht ausreichend zu schützen. Doch trotz einiger Unzulänglichkeiten ist es für den Umweltökonomen Jürgen Hacker der beste Weg, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Im iwd-Interview erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands Emissionshandel und Klimaschutz (bvek), wie sich der Zertifikatehandel noch optimieren ließe. mehr auf iwd.de

6. November 2017

Benjamin Tischler Klimapolitik: Worthülsen mit Inhalt füllen Arrow

Vom 6. bis zum 17. November schaut die Welt gebannt auf Bonn. Denn auf der 23. UN-Klimakonferenz geht es darum, die bislang überwiegend vagen Worthülsen des Pariser Klimaabkommens mit konkreten Regelungen zu füllen. Je schneller dies gelingt, desto früher können Klimaschutzverpflichtungen verhandelt werden. Die Zeit drängt, denn ohne rasche und drastische Emissionsreduktionen kann die globale Erwärmung nicht auf 2 Grad Celsius begrenzt werden. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 12. Oktober 2017

Thilo Schaefer EEG-Umlage: Verursacherprinzip geht anders!Arrow

Die EEG-Umlage wird die Stromverbraucher im kommenden Jahr weiterhin stark belasten. Die zukünftige Bundesregierung muss sich in der kommenden Legislaturperiode der Finanzierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien annehmen. mehr