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Viele Studien zeigen, dass nur wenige Verbraucher die Grundlagen der Zins- und Prozentrechnung beherrschen. Zwei Wissenschaftlerinnen trugen die Ergebnisse von weltweiten Untersuchungen im Journal of Economic Literature zusammen. Die Untersuchungen bestanden aus den immer gleichen drei Fragen zur finanziellen Bildung:

Frage 1: Angenommen, Sie haben 100 Dollar auf dem Konto, bei einem Zinssatz von 2 Prozent. Wie hoch glauben Sie, ist Ihr Kontostand nach fünf Jahren, wenn Sie das Geld nicht anrühren? A) mehr als 102 Dollar B) genau 102 Dollar C) weniger als 102 Dollar D) weiß nicht / keine Antwort

Frage 2: Stellen Sie sich vor, der Zins auf Ihr Konto beträgt 1 Prozent und die Inflationsrate liegt bei 2 Prozent. Können Sie mit dem Geld nach einem Jahr A) mehr kaufen B) genauso viel kaufen C) weniger kaufen D) weiß nicht / keine Antwort

Frage 3: Ist die folgende Aussage richtig oder falsch? "Der Kauf einer einzelnen Aktie ist in der Regel weniger riskant als der Kauf eines Aktienfondsanteils." A) richtig B) falsch C) weiß nicht / keine Antwort

In Deutschland beantworteten immerhin 53 Prozent der Befragten alle Fragen richtig (1A, 2C, 3B); in den USA hingegen nur 30 Prozent (Grafik). Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu ökonomischen Theorien zum Verbraucherschutz, die davon ausgehen, dass Verbraucher vorausschauend sind und Finanzpläne für ihr Leben durchrechnen können – etwa, wenn es um eine Zusatzrente im Alter, den Kreditplan für das Haus oder die Berufsunfähigkeitsversicherung geht. Doch die Studienergebnisse zeigen, dass auch den Deutschen schon bei eher simplen Aufgaben Fehler unterlaufen. Die Unkenntnis ökonomischer Zusammenhänge führt häufig dazu, dass sie ihr Geld auf einem einfachen Sparbuch ansparen und kaum oder gar keine Zinsen dafür erhalten. Immerhin vertrauen viele ihr Geld aber auch ihrer Bank oder Versicherung an. Dies dürfte eher das Vermögen vermehren, etwa wenn auf diese Weise eine zusätzliche kapitalgedeckte Rente für das Alter aufgebaut werden kann.

Der Konflikt, der bleibt, ergibt sich aus den ungleich verteilten Informationen zwischen Verbraucher und Berater. Je weniger der Verbraucher die Geld- oder Versicherungsanlage seines Beraters versteht, desto eher kann sich der Berater die Unkenntnis zu nutze machen und dem Verbraucher genau das Produkt verkaufen, welches ihm die höchste Provision einbringt. Deshalb ist es für den Verbraucher sinnvoll, sich die Nettorendite der Geldanlage berechnen zu lassen und dabei auch Fondsgebühr, Ausgabeaufschlag, Depotgebühr und Provision zu berücksichtigen. Mit Hilfe von guten finanziellen Grundkenntnissen können die asymmetrisch verteilten Informationen zwischen Berater und Verbraucher überwunden werden. Der Verbraucher versteht schließlich die Produkte besser und erkennt was für seine Lebensplanung am sinnvollsten ist.

Ansprechpartner

IW-Report, 21. Juli 2017

Markus Demary IW Financial Expert Survey – 3. Quartal 2017Arrow

Die Prognostiker von Banken und Versicherungen rechnen mit höheren Zinsen, steigenden Aktienkursen, einer Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und steigenden Ölpreisen. Das zeigt der IW Financial Expert Survey für das 3. Quartal 2017. mehr

An Evaluation of  Sovereign-backed Securities (SBSs)
IW policy paper, 28. Juni 2017

Markus Demary / Jürgen Matthes An Evaluation of Sovereign-backed Securities (SBSs)Arrow

The EU Commission proposes establishing Sovereign-Backed Securities (SBSs) as a class of safe assets for the euro area. SBSs are generated by an issuing agency that would purchase a large diversified portfolio of national sovereign bonds, and finance the purchases by issuing (at least) two types of structured bonds: a risk-free senior SBSs tranche and a risky junior SBSs tranche. mehr

Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen
Gastbeitrag, 22. Mai 2017

Markus Demary auf wallstreet-online.de Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen Arrow

Die Experten von Banken und Versicherungen erwarten, dass die Zinsen im kommenden Quartal weiter steigen. Zugleich rechnen sie mit einem höheren Ölpreis und einem schwächeren Euro. Das geht aus dem ersten IW Financial Expert Survey des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor. Er führt den früheren Prognosetest des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fort. mehr