Entwicklungszusammenarbeit Image

Die Förderung von Demokratie und Freiheit sind erklärte Ziele der Entwicklungszusammenarbeit. Ein Dilemma dabei ist jedoch, dass finanzielle Unterstützung undemokratischer Entwicklungsländer implizit deren autoritäre Regime stärkt. Denn diese gewinnen zum einen an Legitimität, wenn sich unter ihrer Herrschaft die Wirtschaftslage verbessert. Zum anderen fließen den Regimen selbst finanzielle Mittel zu, mit denen sie ihre Ziele verfolgen können. Dadurch können sich undemokratische und freiheitsfeindliche Strukturen in geförderten Entwicklungsländern stabilisieren. Sanktioniert man aber undemokratische Länder, so sind die Hauptbetroffenen die Bürger. Hier besteht also ein Konflikt zwischen Armutsbekämpfung und Demokratieförderung.

Wie dringend dieses Dilemma überwunden werden muss, zeigt der jährliche Index “Freedom in the World“ der internationalen Organisation Freedom House. Dieser stuft die Länder anhand verschiedener Indikatoren in Bezug auf Persönlichkeits- und Freiheitsrechte ein. Trotz Verbesserungen in den vergangenen 20 Jahren leben die Menschen in 25 Prozent der Länder der Welt noch immer in unfreien Systemen (Grafik). 30 Prozent der Länder, darunter zum Beispiel die Ukraine oder Tunesien, fallen in die Kategorie „teilweise frei“, genießen also nur eingeschränkte Freiheitsrechte. 45 Prozent aller Staaten gelten als „frei“.

Entwicklungszusammenarbeit zu überwinden, schlägt der Wirtschaftsethiker Dr. Christoph Altmann ein auf Wettbewerb basierendes System für die Entwicklungszusammenarbeit vor. Darin treten die hilfesuchenden Länder in einen Wettbewerb um finanzielle Unterstützung, indem sie Demokratisierungsmaßnahmen einführen, ihren Bürgern also zum Beispiel mehr Mitbestimmungsrechte einräumen. Je wirkungsvoller die Maßnahmen, gemessen anhand von unabhängigen Indikatoren zu Good Governance und Rechtsstaatlichkeit, desto größer die Zuwendungen. Um die Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen zu gewährleisten, werden Teile der finanziellen Zuwendungen „eingefroren“ und erst nach und nach ausgezahlt, sofern die Länder keine Rückschritte machen.

Mit der wissenschaftlichen Ausarbeitung dieses Vorschlags im Rahmen seiner Promotion gewann Altmann im Oktober 2014 den Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik. Diesen Preis vergibt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln seit 1992 alle zwei Jahre für herausragende Arbeiten rund um das Thema gesellschaftliche Verantwortung. Das Kuratorium begründete seine Entscheidung für den Preisträger mit der Innovativität des Ansatzes, der Praxisorientierung und zugleich theoretischen Fundierung. Sein Hauptverdienst, so der Laudator und renommierte Wirtschaftsethiker Professor Josef Wieland, sei, dass er die Diskussion „um eine grundsätzlich andere Perspektive, um eine neue Semantik zur Beschreibung und Analyse“ der Entwicklungszusammenarbeit erweiterte.

Genau diesen Prozess der Weiterentwicklung bestehender Denkstrukturen und etablierter Systeme unterstützt der Max-Weber-Preis. Auch wenn durch eine Dissertation weder die Ukraine-Krise, noch der Syrien-Konflikt gelöst werden können, so kann doch die Gestaltung und Entwicklung zukünftiger Strukturen beeinflusst und zum besseren gewandt werden. Durch die Übertragung ökonomischer Wettbewerbsprinzipien auf das System der Entwicklungszusammenarbeit hat der Preisträger nicht nur eine denkbare, sondern auch eine effiziente Alternative vorgeschlagen.

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