Der IW-Trends „Migration und die Innovationskraft Deutschlands“ (Koppel et al., 2018) gab einen Einblick in den Beitrag ausländischer Erfinder mit Wohnsitz in Deutschland zu Patentanmeldungen aus Deutschland. Im Jahr 2016 wurden 9,4 Prozent dieser Patentanmeldungen von Erfindern mit ausländischen Wurzeln getätigt. Doch wo in Deutschland tragen diese Erfinder mit ausländischen Wurzeln besonders stark zum Innovationsgeschehen bei? Mit Bezug auf weibliche Erfinder hat Koppel et al. (2019) bereits gezeigt, dass überproportional viele weibliche Erfinder in kreisfreien Großstädten oder städtischen Kreisen wohnen und Hamburg den größten Anteil weiblicher Erfinder aufweist. Weiterhin lagen die Anteile Ostdeutschlands und Berlins über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Während besonders patentanmeldungsstarke Kreise eher durch einen durchschnittlichen Anteil von weiblichen Erfindern gekennzeichnet waren, zeigt sich für ausländische Erfinder ein differenzierteres Bild.

Methodik

Für die regionale Erfassung von Erfindern mit ausländischen Wurzeln werden Patentanmeldungen beim DPMA aus dem Jahr 2016 analysiert, in denen mindestens einer der Anmelder einen Sitz in Deutschland hat. Es handelt sich hierbei um die gleiche Grundgesamtheit wie in Koppel et al. (2018) und Koppel et al. (2019). So ist dieser Beitrag und die beiden anderen Artikel als ein Gesamtbild zu verstehen, welches direkte Vergleiche zulässt.

Der vorliegende Kurzbericht verwendet zwei verschiedene Module der IW-Patentdatenbank. Zum einen das Vornamensmodul, welches gewichtet nach dessen Herkunft jeden Vornamen eines Erfinders 24 möglichen Sprachräumen zuordnet, einem deutschen und 23 ausländischen Sprachräumen. In Abbildung 1 wird der Unterschied zwischen den exklusiv nicht dem deutschen Sprachraum zugewiesenen Vornamen und den ausländischen Vornamen, welche auch im deutschen Sprachraum Anwendung finden, explizit ausgewiesen. Im weiteren Verlauf beziehen sich alle Anteile ausländischer Erfinder auf die Summe dieser beiden Werte, denn dieser Aufschlag bewegt sich meistens um einen Prozentpunkt herum. Der Grund für den Aufschlag, dessen Berechnung, die Zuweisung der verschiedenen Sprachräume und die damit einhergehenden Herausforderungen sind in Koppel et al. (2018) mit der Verdeutlichung durch Beispiele nachzulesen. Zum anderen ist das Postleitzahlenmodul verwendet worden, welches jede Kombination aus Postleitzahl und Ort einer Gemeinde zuordnet, wodurch die gewonnenen Informationen über verschiedenste regionale Dimensionen aggregiert werden können.

Ergebnisse

Abbildung 1 zeigt, dass Berlin im Bundesländervergleich mit 16,1 Prozent den höchsten Anteil von Erfindern mit ausländischen Wurzeln erzielt. Dieser Anteil liegt 6,7 Prozentpunkte über den gesamtdeutschen Durchschnitt. Es fällt auf, dass die ostdeutschen Bundesländer allesamt nur auf einen unterdurchschnittlichen Anteil ausländischer Erfinder kommen. Dieses Ergebnis ist konsistent zu und unmittelbare Folge von deren ebenfalls deutlich unterdurchschnittlichen Ausländeranteilen an den technisch-naturwissenschaftlichen Arbeitskräften (Anger et al., 2018). In Ostdeutschland ohne Berlin liegt der Anteil ausländischer Erfinder durchschnittlich bei 6,5 Prozent, in Westdeutschland hingegen bei 9,4 Prozent. Bremen liegt mit 14,9 Prozent knapp hinter Berlin auf dem zweiten Platz, nachfolgend bewegen sich die Werte auf deutlich niedrigerem Niveau und nahe am Durchschnitt. Mecklenburg-Vorpommern, wo im Jahr 2016 lediglich 5,6 Prozent der Patentanmeldungen von Erfindern mit ausländischen Wurzeln getätigt wurden, bildet das Schlusslicht des Bundesländerrankings.

Wird die Binnenstruktur der Erfinder mit ausländischen Wurzeln analysiert, so ist in Bremen der arabische Sprachraum hervorzuheben, da er mit 5,2 Prozentpunkten zu den insgesamt 14,0 Prozent beiträgt, die aus der exklusiv nicht deutschen Sprachraumzuordnung resultieren. Für Berlin ergibt sich, dass 4,5 Prozentpunkte, der 14,9 Prozent Erfinder mit ausländischen Wurzeln, aus dem ost- und südosteuropäischem Sprachraum kommen und 4,1 Prozentpunkte aus dem arabisch-türkischem Sprachraum. Baden-Württemberg und Bayern meldeten im Jahr 2016 mit Abstand am meisten Patente an. Dies spiegelt sich auch in den absoluten Zahlen der einzelnen Sprachräume wider, da das Bundesland mit den meisten Patentanmeldungen aus den verschiedenen Sprachräumen immer Baden-Württemberg oder Bayern hieß. In Absolutwerten dominieren folglich Baden-Württemberg und Bayern das Bundesländerranking der Patentleistung ausländischer Erfinder, relativiert um die Menge der Patentanmeldungen gilt dies jedoch für Berlin und Bremen. Auch wenn Bremen oder Berlin nicht ansatzweise so viele Patentanmeldungen hervorbringen, entstehen diese zu einem weitaus höheren Anteil durch Erfinder mit ausländischen Wurzeln.