Die nicht erneuerbaren Energien sind das Rückgrat unserer industriellen Entwicklung der letzten 200 Jahre. Kohle, Erdöl und Erdgas werden schon länger genutzt, Uran kam vor einen halben Jahrhundert hinzu. Fast 70.000 Tonnen Uran werden in diesem Jahr in weltweit 440 Reaktoren eingesetzt. 61 weitere Reaktoren sind derzeit im Bau, weitere 158 sind in Planung. Deutschland benötigt dabei 5 Prozent der weltweit nachgefragten Menge an Uran für seine 17 Kernkraftreaktoren.

Energieversorgung
Energieversorgung

Mit der Erhöhung der zur Verfügung stehenden Energiemenge durch die Nutzung von Uran konnte der wachsende Bedarf unserer zunehmend industrieller werdenden Wirtschaft gedeckt werden. Den nicht erneuerbaren Energien haben wir einen großen Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs und damit unseres heutigen Wohlstandes zu verdanken. Ein Ausstieg aus der Kernkraft heute verursacht denn auch volkswirtschaftliche Folgekosten von rund 55 Milliarden Euro, die sich auf Verbraucher, Erzeuger und Staat verteilen (vgl. iwd Nr. 26 vom 29. Juni 2011).

Die Nutzung des Uran hat, beginnend mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Kahl als erstem deutschen Kernkraftwerk im Jahr 1962, die Menge an Energie für die Industrie immens vergrößert, ohne die mit der beim Verbrauch von Kohle, Erdöl oder Erdgas einhergehenden Umweltprobleme der Luftverschmutzung oder des Waldsterbens zu vergrößern. So konnte der wachsende Energieverbrauch weiterhin gedeckt werden, gleichzeitig konnte sich die Natur um uns herum wieder etwas erholen.

Atomkraft galt als saubere Energie, allerdings nur bei Ausblendung des Problems der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Auch die Risiken wurden lange zu gering geschätzt, sind Reaktorunfälle doch erstens unsichere Ereignisse und treten zweitens erst in der Zukunft auf. Zukünftige Lasten ziehen Politiker gegenwärtigen Lasten vor – vor allem, wenn sie erst nach der nächsten Wahl anfallen.

Nun hat die Ethikkommission die Risiken der Atomkraft neu bewertet. Die Folgen eines Unfalls lassen sich laut der Kommission weder räumlich noch zeitlich und auch nicht sozial begrenzen. Unfälle zu vermeiden ist daher nur möglich, wenn die Kerntechnik keine Verwendung mehr findet. Daher empfiehlt die Ethikkommission den Ausstieg aus der Atomkraft, um Risiken grundsätzlich auszuschließen.

Wie kommt es zu dieser Neubewertung? Risikobewertungen werden üblicherweise als probabilistische Sicherheitsanalysen durchgeführt. Jedes denkbare Szenario wird in einem Ereignisbaum dargestellt. Die Wurzel des Baumes ist ein bestimmtes Ereignis (z.B. ein Stromausfall), seine Äste sind mögliche Folgeereignisse, wobei jedem Ast eine Wahrscheinlichkeit zugeordnet wird. Ein Ast führt hin zum GAU – zum größten anzunehmenden Unfall. Über die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten an den Verästelungen kann die Wahrscheinlichkeit des GAUs ermittelt werden. Das Problem ist, dass nur denkbare Szenarien abgebildet werden, und dass zudem nicht alle Wahrscheinlichkeiten bekannt sind, sondern viele geschätzt werden müssen. Dies macht das Ergebnis der Risikoschätzung angreifbar.

Unbestreitbar ist aber: Ein Restrisiko beim Betrieb bleibt (immer). Um dieses ausschließen, muss man die Kraftwerke abschalten. Doch eine Abschaltung allein in Deutschland reicht nicht aus, denn die Folgen eines GAUs sind nicht räumlich abzugrenzen. Ein einseitiges Abschalten verursacht hohe Kosten, ohne die gewünschte Sicherheit zu geben. Der Ausstieg aus der Atomkraft mag nicht nur aus ethischer, sondern auch – der Neuberechnung der Risiken eines GAU folgend – aus ökonomischer Sicht sinnvoll sein. Doch er muss in internationaler Übereinstimmung vollzogen werden.

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20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

19. Juni 2017

Sandra Parthie / Thilo Schaefer Auf dem Weg in die EnergieunionArrow

Die EU-Kommission will den europäischen Energiebinnenmarkt voranbringen und hat deshalb ein neues Konzept für den Strommarkt vorgeschlagen. Dazu sollen unter anderem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus- und Staatseingriffe abgebaut werden. Um die Investitionen in weitere Netze und Erzeugungskapazitäten anzuregen, ist zudem ein neuer Zuschnitt der sogenannten Strompreiszonen in der Diskussion – ein Plan, der in Deutschland auf Widerspruch stößt. mehr auf iwd.de