Energieffizienz Image

Das hat auch die Politik erkannt. Sie hilft Unternehmen und Privathaushalten durch vielfältige Förderprogramme, die sie zudem für die Immobilien der öffentlichen Hand anwendet. Sie setzt außerdem auf eine Fülle weiterer politischer Maßnahmen wie das Gesetz über die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte, die jüngst beschlossene Energieeffizienzrichtlinie oder das EU-Energielabel. Dabei setzen langfristig steigende Energiepreise wie die Stromsteuer und der Emissionshandel bereits deutliche Anreize zum Energiesparen.

Unternehmen sind sehr erfinderisch bei der Nutzung von Energiesparpotenzialen. Zum Beispiel werden bei der Stahlproduktion anfallende Prozessgase genutzt, um eigenen Strom zu erzeugen, in Gebäuden reduziert eine intelligente Aufzugsteuerung Leerfahrten und die Leichtbauweise verringert den Kraftstoffbedarf für Verkehrsmittel.

Wie bei allen Investitionen verspricht man sich auch von Energieeffizienzmaßnahmen Rentabilität. Unternehmen mit einem Energieeffizienzziel präferieren Maßnahmen, die sich nach einiger Zeit finanziell zumindest amortisieren. Welcher Zeitraum ist hierfür akzeptabel? Diese Frage wurde in der aktuellen Welle des IW-Umweltexpertenpanels gestellt, an der sich 142 Umweltexperten, davon 93 aus Unternehmen, beteiligten. Die gelegentlich zu hörende Kritik vom Quartalsdenken in Unternehmen wird durch die Antworten keineswegs erhärtet. Ganz im Gegenteil: In vielen Unternehmen dürfen bis zu fünf Jahre verstreichen, bis sich eine Investition in Energiesparmaßnahmen lohnt. In weniger als jedem zwanzigsten Unternehmen wird eine Amortisation innerhalb eines Jahres gefordert. Bis zu drei Jahre darf diese Zeitspanne in gut 40 Prozent der Unternehmen dauern, in weiteren 35 Prozent sogar bis zu fünf Jahre. Zeiträume von fünf und mehr Jahren kommen für wenige Unternehmen in Betracht. Überraschend ist, dass immerhin 12 Prozent der Befragten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz auch dann durchführen, wenn sie sich überhaupt nicht ökonomisch auszahlen. Hier dürften Motive des Umwelt- und Klimaschutzes – auch bei den Kunden – die entscheidende Rolle spielen.

Wann die Amortisation tatsächlich erreicht wird und wie rentabel eine Investition ist, hängt nicht nur von der Investitionssumme und vom Energieeinsparpotenzial ab, sondern auch von der Entwicklung der Energiepreise.

Die Energiewende ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, zum Beispiel für den Ausbau der erneuerbaren Energien, Stromnetze und Speicher. Die Strompreise werden dadurch mittelfristig zumindest leicht ansteigen. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die sich bereits bei gleich bleibenden – oder sogar sinkenden – Strompreisen auszahlen, werden dadurch noch rentabler. In einer solchen Situation befindet sich ein Drittel der befragten Unternehmen. Für weitere 32 Prozent lohnen sich Investitionen in die Energieeffizienz zumindest, wenn die Energiepreise mittelfristig leicht ansteigen. Dies ist ein realistisches Szenario. Auch ein starker Anstieg ist nicht unwahrscheinlich. Diese Entwicklung legt ein weiteres Viertel der Befragten für lohnende Investitionen zugrunde.

Für die meisten Unternehmen zahlen sich Investitionen in die Energieeffizienz also bereits aus, wenn die Energiepreise nur leicht ansteigen. Gleichzeitig sind sie bereit, auch längere Amortisationszeiten in Kauf zu nehmen. Dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass die Effizienzpotenziale auch gehoben werden. Und zwar aus eigener Initiative der Unternehmen. Die Politik kann die Unternehmen dabei zum Beispiel durch Beratungs- und Informationsangebote unterstützen. Absolute Verbrauchsvorgaben, wie in der EU-Energieeffizienzrichtlinie vorgesehen, helfen dazu allerdings wenig. Im Gegenteil, wenn Unternehmen gezwungen werden, ihre Produktion zurückzufahren, um Verbrauchswerte einzuhalten, kann sich die Rentabilität von Investitionen in die Energieeffizienz verschlechtern.

„Verheerend für das Investitionsklima”
Interview, 15. April 2017

Michael Hüther auf Spiegel Online „Verheerend für das Investitionsklima”Arrow

Was kommt nach dem Türkei-Referendum? Diese Frage beschäftigt auch deutsche Investoren. IW-Direktor Michael Hüther befürchtet nachhaltige Schäden für alle Beteiligten, wie er im Interview mit Spiegel Online erklärt. mehr

Eines von zwei Unternehmen macht Ökodesign digital
IW-Kurzbericht, 6. April 2017

Adriana Neligan / Edgar Schmitz Eines von zwei Unternehmen macht Ökodesign digitalArrow

Jedes zweite Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe spart Material, indem es seine Produkte ressourceneffizient designt. Obwohl die zunehmende digitale Vernetzung in komplexen industriellen Produktionsabläufen neue Möglichkeiten zur Ressourceneinsparung öffnet, ist fast die Hälfte der Industrieunternehmen, die beim Produktdesign ansetzt, nicht digital vernetzt. mehr

6. April 2017

Ökodesign Stoffe, Lacke, FahrradanhängerArrow

Möglichst ressourcenschonende Produkte zu entwickeln, kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern kann den Unternehmen auch helfen, Kosten zu sparen. Bislang wagt sich aber nur die Hälfte der Industriefirmen in Deutschland auf dieses Feld – und die wenigsten von ihnen mit Nachdruck. mehr auf iwd.de