Eigenheimzulage Image

Genau zehn Jahre zwischen 1996 und 2005 gewährte der Staat die sogenannte Eigenheimzulage bei der Schaffung von selbstgenutztem Wohnungseigentum. Sie kostete Bund und Länder maximal jährlich 11 Milliarden Euro, war damit eine der größten staatlichen Subventionen in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2006 wird sie nicht mehr gewährt, belastet aber die Staatshaushalte bis heute, da die Zahlung der Zulage für selbstgenutztes Wohneigentum über acht Jahre lief (Schaubild). Neben den finanzpolitisch hohen Kosten sprechen gegen die Eigenheimzulage aber vor allem die falschen Anreize, die von ihr ausgehen. Da die Eigenheimzulage vor allem für Bauherren von Ein- und Zweifamilienhäusern interessant ist, die vorrangig an Ortsrändern und in Vororten gebaut werden, trägt sie zur Zersiedelung der Landschaft und einem höheren Verkehrsaufkommen bei. Zweitens gehen von ihr teure Mitnahmeeffekte aus – einmal direkt durch die Bauherren, die vielfach auch ohne zusätzliche Anreize bauen, und noch einmal durch die Bauwirtschaft, die höhere Baukosten leichter durchsetzen kann.

Die Wiedereinführung der Eigenheimzulage kann zudem nicht helfen, die aktuellen Probleme auf den Mietwohnungsmärkten zu lösen. Schließlich wird nur der Bau von selbstgenutztem Wohneigentum gefördert und nicht das Mieten von Wohnungen. Darüber hinaus ist die Eigenheimzulage eine Förderung nach dem Gießkannenprinzip. Von den steigenden Preisen und Mieten sind aber im Wesentlichen nur die 15 größten Großstädte mit rund 15 Millionen Einwohnern betroffen – der Rest der Republik hat hingegen eher mit Abwanderung, Leerstand und sinkenden Preisen sowie Mieten zu kämpfen. Ursache für die Preissteigerungen in den Metropolen ist die dort stark gestiegene Nachfrage, die sich vor allem auf zentrumsnahe Lagen konzentriert, wo das Angebot an Bauland knapp ist. Deutlich zielgerichteter wäre es deshalb, die Förderung zur Wiederbelebung von innerstädtischen Brachflächen aufzustocken, um das Angebot in Großstadtvierteln zu vergrößern. Neben Neubauten brauchen wir insgesamt auch vielmehr Modernisierungen im Bestand.

Vor allem aber ist es sehr gefährlich, die Eigenheimquote künstlich mit Subventionen anheben zu wollen. Die US-Hauspreiskrise zeigte ja, dass gerade Bezieher niedriger Einkommen anfällig für abrupte Veränderungen der Rahmenbedingungen sind. Als in den USA die Zinsen anstiegen, konnten viele Hauseigentümer mit niedrigen Einkommen – die sogenannten Subprime-Kunden – ihre Raten nicht mehr bezahlen. Dies führte zu den bekannten Ausfällen von Krediten und den damit verbundenen Problemen bei Banken. International gilt der deutsche Wohnungsmarkt derzeit als Vorbild, weil man hierzulande eine sehr gesunde Balance zwischen Wohneigentum und Mietwohnungsmarkt existiert. Eine neue Eigenheimzulage könnte diese Balance gefährden.

Die Wiedereinführung der Eigenheimzulage wäre also ein gefährlicher und teurer Griff in die Mottenkiste – genauso wie die Forderungen der SPD nach einer Deckelung der Neuvertragsmieten. Beide Ideen sind im Wahlkampfjahr parteipolitisch verständlich, aber aus förderpolitischer Sicht abzulehnen. Auf der Nachfrageseite ist es besser auf die Subjektförderung und das Wohngeld zu setzen, das den Zugang zu angemessenem Wohnen in Ballungszentren ermöglicht. Hierzu wird gerade ein Gesetzesentwurf entwickelt, der die Wohngeldleistungen an die jüngsten Mietpreisentwicklungen anpasst. Um die Bautätigkeit und die Investitionen auf der Angebotsseite anzukurbeln, kann derweil darüber nachgedacht werden, die Abschreibungsregeln zu überdenken: Im Jahr 2008 wurde die degressive Abschreibung abgeschafft. Seither werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten mit jährlich 2 Prozent linear über 50 Jahre abgeschrieben. Der tatsächliche Wertverzehr ist aber deutlich höher, sodass Spielraum zur Anhebung der jährlichen Abschreibung besteht.

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Der Crash bleibt aus
IW-Kurzbericht, 15. September 2017

Michael Voigtländer / Jan Hebecker Immobilien-Index: Der Crash bleibt ausArrow

Die Unternehmen sind sich sehr sicher: Ein Crash in den nächsten zwei Jahren ist nicht zu erwarten, weder im Wohnungsmarkt noch im Gewerbeimmobilienmarkt. Und auch ansonsten schätzen die Unternehmen die Lage und auch die Aussichten als sehr gut ein. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich die ohnehin sehr gute Stimmung sogar noch weiter verbessert. mehr

Perspektiven für private Kleinvermieter
Presseveranstaltung, 13. September 2017

Pressegespräch mit Livestream Perspektiven für private KleinvermieterArrow

Deutschland ist traditionell eine Mieternation, knapp 55 Prozent aller Haushalte hierzulande leben in einer gemieteten Wohnung. Die überwiegende Mehrheit aller Mietwohnungen wird von sogenannten Kleinvermietern angeboten, also Haushalten, die sich nicht hauptberuflich mit der Vermietung von Wohnungen und Gewerbeflächen beschäftigen. mehr

Private Vermieter: Aus allen Schichten
Pressemitteilung, 13. September 2017

Michael Voigtländer / Björn Seipelt Private Vermieter: Aus allen SchichtenArrow

Anders als häufig gedacht, sind Vermieter von Wohnungen und Häusern nicht immer auch reich, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Tatsächlich werden die meisten Mietwohnungen in Deutschland von privaten Kleinvermietern angeboten. mehr