Denn die Vergabe sportlicher Großereignisse erfolgt immer öfter an autoritäre Ausrichterstaaten. Und dies, obwohl seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion der Anteil demokratischer Staaten weltweit auf einen Höchststand stieg und die Demokratie als Regierungsform immer weiter verbreitet ist (siehe Grafik).

Grundlage für die Analyse ist zum einen die Auswertung der Ausrichter von Fußballwelt- und Fußballeuropameisterschaften sowie der Olympischen Sommer- und Winterspiele als den größten Sportereignissen. Zum anderen wird ermittelt, wie demokratisch bzw. autokratisch die Staaten weltweit und die Ausrichter der Großereignisse sind. Um die Entwicklung zu zeigen, wird der Anteil demokratischer Staaten an den Gastgebern in Fünfjahreszyklen zusammengefasst. Als Grundlage für die Klassifizierung von Demokratien dient der weit verbreitete Polity 2 Index des Polity IV Projekts (Marshall et al., 2017). Auf einer Skala von -10 (stark autokratisch) bis 10 (stark demokratisch) misst er die institutionelle Qualität aller Länder. Ab einem Wert von 6 wird ein Land dabei als demokratisch bezeichnet. Für alle zukünftigen Veranstaltungen berücksichtigen wir die bereits feststehenden Gastgeberländer auf der Basis der aktuellen Polity 2 Werte.

Das zentrale Ergebnis: in den 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends waren alle Ausrichter von sportlichen Großereignissen demokratisch! Für den Zeitraum 2020-24 werden nach aktuellem Stand hingegen nur noch 60 Prozent der Gastgeberländer Demokratien sein. Der Demokratieindikator, basierend auf den durchschnittlichen Polity 2 Werten, veranschaulicht dies noch deutlicher: von einem Mittelwert von etwa 9,8 der demokratischen, institutionellen Qualität in den 90er Jahren sinkt der durchschnittliche Polity 2 Index auf nur noch 2 für die Ausrichter der Jahre 2020-24.