Chinesische Übernahmen und Beteiligungen in Deutschland gewinnen zunehmend an Bedeutung (Rusche, 2017). Insbesondere die Kuka-Übernahme 2016 hat mit einem Wert von circa 4,6 Milliarden Euro Aufsehen erregt. Befürchtet wurde, dass wichtiges Know-how aus Deutschland abfließt. Diese Befürchtung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, weil die chinesische Regierung mit ihrem Programm „Made in China 2025“ massiv in die Modernisierung der chinesischen Industrie investiert, wodurch es auch vermehrt zu Übernahmen kommt (Conrad et al., 2016). Trotz der 2017 erfolgten Verschärfung der deutschen Außenwirtschaftsverordnung sind chinesische Investoren weiterhin in Deutschland aktiv. Die Übernahme des Essener Ablesedienstes ISTA für circa 4,5 Milliarden Euro ist dabei die Teuerste (WAZ.de, 2017).

Der Blick auf die Bundesländer zeigt, dass sich die chinesischen Investoren auf einzelne Länder konzentrieren: In einer Datenrecherche des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln konnten zwischen Januar 2010 und Juli 2017 insgesamt 193 erfolgreiche Übernahmen und Beteiligungen in Deutschland registriert werden. Drei dieser Fälle betrafen Unternehmen mit Konzernsitz im Ausland. Die anderen 190 Projekte lassen sich anhand des Unternehmenssitzes nach Bundesländern einteilen. Die meisten Investitionen fanden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen statt. Hier haben je 44 Ziele ihren Sitz. Danach folgt Bayern mit 31 Projekten. Die weitere Verteilung ist wie folgt:

Es gab 20 Projekte in Hessen, je neun in Sachsen und Niedersachsen, je fünf in Hamburg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, vier im Saarland, je drei in Sachsen-Anhalt und Berlin, zwei in Thüringen, eins in Brandenburg und keines in Bremen.

Um den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Projekte in einem Bundesland und makroökonomischen Indikatoren zu bestimmen, wird der Korrelationskoeffizient von Bravais-Pearson verwendet. Dieser bildet die Korrelation von zwei Indikatoren mit einer Zahl im Intervall von -1 bis +1 ab. Beträgt er Null, gibt es keinen Zusammenhang. Grafisch handelt es sich dann um eine unstrukturierte Punktewolke. Beträgt sein Wert -1, liegen alle Punkte auf einer fallenden, bei +1 auf einer steigenden Geraden. Dies bedeutet in letzterem Fall, dass eine Größe proportional zunimmt, wenn gleichzeitig auch die andere zunimmt.

Der Korrelationskoeffizient sagt jedoch nichts über die Wirkungsrichtung aus. Beispielsweise könnte der Korrelationskoeffizient einen starken positiven Zusammenhang zwischen der Anzahl Störche und der menschlichen Geburtenrate finden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das eine für das andere verantwortlich ist. Beide Größen können auch von einem anderen Faktor beeinflusst werden und somit indirekt zusammenhängen oder es kann sich um einen Zufall handeln.

Für die Verteilung chinesischer Investitionen nach Bundesländern wird zunächst geprüft, ob besonders dort viele Übernahmen oder Beteiligungen getätigt werden, wo es viele Unternehmen gibt. Dazu wird die Anzahl an Unternehmen nach Bundesländern Stand 2014 aus dem Unternehmensregister verwendet (Statistisches Bundesamt, 2017a). Der Korrelationskoeffizient beträgt in diesem Fall rund 0,93. Dies deutet auf einen starken positiven Zusammenhang zwischen der Anzahl an Unternehmen und der Anzahl chinesischer Übernahmeprojekte hin. Die Bundesländer liegen mit Ausnahme von Baden-Württemberg nahezu auf einer Geraden. Die Anzahl an Unternehmen ist zudem stark korreliert (Wert nahezu 1) mit der Einwohneranzahl in einem Bundesland. Somit besteht eine hohe Korrelation zwischen der Größe eines Marktes beziehungsweise der Anzahl an Unternehmen und der Anzahl chinesischer Projekte. Nur Baden-Württemberg verzeichnet für seine im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen geringere Anzahl an Unternehmen eine deutlich erhöhte Anzahl an Projekten.

Der Innovationsatlas des IW Köln stellt fest, dass vor allem Baden-Württemberg bei der Patentanmeldungsintensität sowie Forschungs- und Entwicklungsintensität bundesweit führend ist (Berger et al., 2017). Vor dem Hintergrund, dass China mit „Made in China 2025“ die eigene Wirtschaft modernisieren möchte, liegt die Vermutung nahe, dass chinesische Investitionen mit diesen Größen zusammenhängen könnten. Die Korrelation mit der Patentanmeldungsintensität beträgt 0,78 (Abbildung), die mit der Forschungs- und Entwicklungsintensität ist 0,69.

Insbesondere an der Patentanmeldungsintensität wird grafisch der starke Zusammenhang deutlich. Bis auf Nordrhein-Westfalen liegen alle Bundesländer nahezu auf einer Geraden. Dies bedeutet, dass die chinesischen Investoren dort investieren, wo die Patentanmeldungsintensität hoch ist. NRW verzeichnet im Vergleich zur Anzahl getätigter Patentanmeldungen überdurchschnittlich viele Projekte. Dafür scheint vor allem der Zusammenhang mit der Marktgröße ausschlaggebend zu sein.

In der Vergangenheit haben chinesische Investoren vor allem auch in insolvente Unternehmen investiert. Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, wurde die Korrelation mit der Insolvenzquote (2009) untersucht (eigene Berechnungen basierend auf Statistisches Bundesamt, 2010 und 2017a). Dabei wurde kein Zusammenhang gefunden (Wert von 0,03), was der oben angeführten Beobachtung widerspricht. Eine geringe Korrelation konnte jedoch mit dem Anteil der Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe an allen Betrieben berechnet werden (Wert von 0,16; eigene Berechnung auf Basis Statistisches Bundesamt, 2017b).

Die Zusammenhänge sowie die Wirkungsrichtung von Kausalitäten sollten Gegenstand zukünftiger Forschung sein. Dies wird im Moment dadurch erschwert, dass chinesische Übernahmen und Beteiligungen aufgrund ihrer geringen Zahl stark von Einzelfällen wie Kuka geprägt werden. Zukünftig sind in Deutschland unter anderem aufgrund der chinesischen Modernisierungsbemühungen vermehrt Investitionsaktivitäten zu erwarten.