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In den 5 größten chinesischen Städten sind die Wohnimmobilienpreise nach Angaben der DB Research zwischen nJanuar 2007 und März 2010 um über 65 Prozent gestiegen. In Peking haben die Preise für Luxusappartments nach Daten der DekaBank innerhalb von drei Jahren sogar um 80 Prozent zugelegt. So bemerkenswert diese Entwicklung auch ist, wird sie jedoch durch die starke Nachfrage erklärlich. Bedingt durch das kräftige Wirtschaftswachstum sind auch die verfügbaren Einkommen gestiegen. Dabei ist auch die ungleiche Einkommensentwicklung zu beachten. Während sich für die zumeist ländliche Bevölkerung die Lebensbedingungen eher langsam verbessern, haben schon über 100 Millionen Chinesen ein westliches Wohlstandsniveau erreicht. Gerade diese aufstrebende Mittel- und Oberschicht trägt die Immobiliennachfrage.

Hinzu kommt der dynamische Urbanisierungsprozess. Weltweit nimmt der Anteil der Stadtbevölkerung zu, aber in China vollzieht sich diese Entwicklung besonders schnell. Lebten im Jahr 1950 nur 13 Prozent der Chinesen in Städten, waren es 2010 schon knapp 45 Prozent. Nach Prognosen der Vereinten Nationen steigt dieser Anteil bis zum Jahr 2050 auf über 70 Prozent. Berücksichtigt man, dass die Bevölkerung in China zumindest noch bis zum Jahr 2040 wächst, resultiert hieraus in Kombination mit den Wohlstandszugewinnen eine langfristig weiter steigende Nachfrage nach städtischen Wohnimmobilien. Besonders deutlich ist diese Entwicklung anhand der immer neuen Megastädte festzumachen. Bereits heute liegen 9 der 50 größten Städte der Welt in China.

Die starke Wohnraumnachfrage ist allerdings nur ein Erklärungsfaktor für die deutlichen Preisanstiege in den letzten drei Jahren. Darüber hinaus hat auch eine künstliche Angebotsverknappung zu dem Preisboom beigetragen.

Alle Grundstücke in China verbleiben in öffentlichem Eigentum, lediglich die Nutzungsrechte werden für einen Zeitraum von 30 bis 70 Jahren vergeben. Diese Nutzungsrechte werden von den chinesischen Kommunen versteigert, die mit den Erlösen rund 50 Prozent ihrer Einnahmen erzielen. Aufgrund der großen Bedeutung der Auktionen für die öffentlichen Haushalte beschränken die Kommunen die Ausweisung und Versteigerung neuer Flächen, um so die Einnahmen zu maximieren. Weitergehend führt die starke Preisentwicklung zu einer Angebotszurückhaltung von Investoren. So werden manche Projektentwicklungen bewusst zurückgehalten, um später einen höheren Preis zu erzielen. Angesichts der niedrigen Zinsen und geringen Arbeitskosten lohnt es sich in einigen Fällen auf eine weitere Preissteigerung zu warten.

Vor diesem Hintergrund erscheint ein Crash im chinesischen Wohnimmobilienmarkt unwahrscheinlich. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Immobilienkäufe im Reich der Mitte mit einem geringen Fremdkapitalanteil getätigt werden. Selbst bei einem deutlichen Rückgang der Preise wäre, anders als in den USA, somit nicht mit einer Bankenkrise zu rechnen.

Die Situation birgt dennoch Zündstoff. Schließlich verstärken die steigenden Preise die sozialen Ungleichgewichte, und zwar nicht nur zwischen arm und reich, sondern auch zwischen den Generationen. Viele Chinesen profitierten in den 1990er Jahren von der Privatisierung eines Teils der Wohnimmobilien, die sie damals zu festgelegten Preisen erwerben konnten. Diese Generation erfreut sich heute an den steigenden Preisen, während es für die jüngere Generation zunehmend schwerer wird, eine ansprechende Wohnung zu finden. Neben Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation – wie z. B. der Begrenzung des Wohneigentums – überlegt die chinesische Regierung daher auch, wie den schwächeren sozialen Schichten geholfen werden kann. Eine Möglichkeit würde z. B. die Einführung eines Wohngelds nach deutschem Vorbild darstellen. Darüber hinaus wäre eine Reform der Kommunalfinanzen erstrebenswert.

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