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Im Falle eines Ausscheidens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) (Brexit) müsste das Land möglicherweise auch aus dem EU-Binnenmarkt ausscheiden, was den gegenseitigen Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital beeinträchtigen würde. Im schlimmsten Fall würden auf den Warenverkehr des Landes mit der EU sogar Zölle erhoben. Davon wären auch deutsche Unternehmen betroffen, wenn deutsche Exporte mit britischen Einfuhrzöllen belastet würden und auf britische Importe nach Deutschland der Gemeinsame Außenzolltarif der EU angewendet werden müsste. Grund genug, sich die deutsch-britischen Handelsbeziehungen einmal näher anzusehen.

Das Vereinigte Königreich ist der drittgrößte Kunde für deutsche Waren. 2015 hat Deutschland Waren im Wert von gut 89 Milliarden Euro an die Briten geliefert, das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent an allen deutschen Warenexporten. Auf der Einfuhrseite Deutschlands kam das Vereinigte Königreich nur auf Platz neun aller Lieferländer. 2015 importierte Deutschland britische Waren im Wert von 38,3 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 4 Prozent aller deutschen Wareneinfuhren. Deutschland hatte damit zuletzt einen Überschuss in der Handelsbilanz von über 50 Milliarden Euro.

Diese Zahlen verbergen allerdings, dass die Handelsbeziehungen für einzelne Güter und Gütergruppen deutlich über diesen Durchschnitten liegen. Für eine tiefergehende Betrachtung wurde daher auf das Güterverzeichnis für Produktionsstatistiken (GP 2009) zurückgegriffen, und es wurden Daten für 247 Warengruppen verwendet. Auf der Exportseite liegen 54 Warengruppen (21,9 Prozent aller Warengruppen) über dem Durchschnittswert. Auf der Importseite sind es 46 Warengruppen oder 18,6 Prozent.

Bei den deutschen Exporten in das Vereinigte Königreich steht an erster Stelle die Warengruppe „Apfelwein, Fruchtweine, alkoholische Mixgetränke“ mit einem Anteil von 19,5 Prozent der deutschen Warenexporte in alle Länder bei dieser Warengruppe. Auf Platz zwei folgt die Gruppe „Verarbeitetes Fleisch“ vor „magnetischen und optischen Datenträgern“. An vierter Stelle stehen „Kraftwagen und Kraftwagenmotoren“ mit einem Exportanteil von 15 Prozent ins Vereinigte Königreich. Das Bild erhält eine weitere Schattierung, wenn man berücksichtigt, dass es sich hierbei um einen hohen Exportwert von 24,7 Milliarden Euro handelt (Tabelle). Die drei erstplatzierten Gütergruppen kommen dagegen zusammen nur auf Exporte von 456 Millionen Euro. Bei der Gütergruppe der „pharmazeutischen Spezialitäten und pharmazeutischen Erzeugnissen“, deren Exportanteil ins Vereinigte Königreich bei leicht überdurchschnittlichen 10,5 Prozent liegt, sind 6,9 Milliarden Euro betroffen.

Bei den deutschen Importen aus dem Vereinigten Königreich steht die Gütergruppe „Spirituosen“ mit einem Anteil von 22,8 Prozent an den Warenimporten aus allen Ländern bei diesen Produkten an erster Stelle (in erster Linie Whisky), gefolgt von „Kernbrennstoffen“ mit 18,9 Prozent. Bei beiden Gruppen zusammen summieren sich die Warenimporte aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2015 auf 395 Millionen Euro. Auf Platz 3 folgen „Luft- und Raumfahrzeuge“ mit einem Anteil von 14 Prozent und einem Warenwert von 4,3 Milliarden Euro. 2015 importierte Deutschland „Kraftwagen und Kraftwagenerzeugnisse“ im Wert von 4,6 Milliarden aus dem Vereinigten Königreich. Der britische Anteil an den gesamten Importen dieser Waren betrug 8,3 Prozent und lag damit doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller Einfuhren.

Der durchschnittliche Außenzolltarif der Europäischen Union lag 2014 für nichtlandwirtschaftliche Erzeugnisse bei 4,2 Prozent; für agrarische Produkte immerhin bei 12,2 Prozent. Aber auch für einzelne gewerbliche Erzeugnisse werden überdurchschnittlich hohe Zölle erhoben, für Bekleidung beispielsweise 11,4 Prozent. Der übliche EU-Zollsatz für PKW beträgt 10 Prozent.

IW-Kurzbericht

Berthold Busch: Britische Abstimmung über den Verbleib in der EU – Brexit und deutsch-britischer Außenhandel

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