Die Einigung über die Finanzregelung („financial settle­ment“) erfolgte bereits im Dezember 2017 nach der ersten Phase der Austrittsverhandlungen (Keep, 2019a, 12). Später wurde die Regelung in das Austrittsabkommen aufgenommen, in dem auch eine Übergangsperiode für das VK bis Ende 2020 vereinbart wurde. Während dieser Übergangsperiode bleibt das VK in der Zollunion und dem Binnenmarkt einschließlich der vier Freiheiten sowie in anderen gemeinsamen Politikbereichen.

Es ist aber nicht auszuschließen, dass die britische Regierung unter Boris Johnson, dem neuen Premierminister, versuchen wird, die finanziellen Aspekte des Austritts als Druckmittel für Nachverhandlungen des Austrittsabkommens einzusetzen. Entsprechende Drohungen waren bereits zu vernehmen. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass sich die EU davon beeindrucken lässt.

Die beiden Verhandlungsparteien haben sich nicht auf einen exakten Betrag geeinigt, den das VK nach dem Austritt aus der EU zahlen muss. Vereinbart wurden vielmehr die einzelnen Bestandteile des Finanzrahmens und eine Methode, wie die gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen berechnet werden. Den Verhandlungen lagen drei Prinzipien zugrunde: 1. Kein Mitgliedstaat soll aufgrund des Austritts des VK mehr zahlen oder weniger an Rückflüssen erhalten. 2. Das VK soll seinen Anteil an den Verpflichtungen erfüllen, die während seiner Mitgliedschaft eingegangen wurden. 3. Das VK soll weder mehr noch früher zahlen im Vergleich zu einer Situation, in der es in der EU geblieben wäre.

Die britische Regierung schätzt die Höhe der Kosten insgesamt auf 35 bis 39 Milliarden GBP oder umgerechnet 40 bis 45 Milliarden Euro, die bis zum Jahr 2064 anfallen können (Tabelle). Den Schätzungen zufolge werden allerdings 73 Prozent der Zahlungen bis Ende 2022 erfolgt sein (Keep, 2019a, 21). Vereinbart wurde, dass die Zahlungen in Euro zu leisten sind, sodass das Wechselkursrisiko bei den Briten liegt. Der von den britischen Behörden geschätzte Betrag liegt deutlich unterhalb anderer Berechnungen, die bis zu einem Betrag von 100 Milliarden Euro reichen, wobei hierin auch noch ausstehende Zahlungen an das VK enthalten sind (Barker, 2017; Darvas et al., 2017).