Der neue britische Zolltarif wird auf Importe aus Drittstaaten in das VK angewendet werden und, falls kein Freihandelsabkommen mit der EU zustande kommt, auch auf Warenlieferungen aus der EU-27 nach Britannien. Ausnahmen gelten für Länder, mit denen das VK ein Handelsabkommen abgeschlossen hat – wie aktuell mit Japan –, und für Entwicklungsländer, die am allgemeinen Präferenzsystem teilnehmen.

Der Tarif umfasst nahezu 12.000 einzelne Zollpositio­nen und lehnt sich an den Zolltarif der EU an. 3.960 Positionen bleiben unverändert und bei 1.080 Positionen erfolgte eine Umrechnung des EU-Tarifs von Euro in britische Pfund (GBP) mit einem Wechselkurs von 1 Euro = 0,83687 GBP (UK Government, 2020). In 2.000 Fällen wurden die Zölle im britischen Tarif im Vergleich mit dem EU-Tarif liberalisiert, also auf null herabgesetzt. Der Anteil der zollfrei eingeführten Waren steigt von 47 auf 60 Prozent (KPMG, 2020). Gut die Hälfte der einzelnen britischen Zolllinien sind Wertzölle, bei denen die Zollbelastung als Prozentsatz vom Einfuhrwert einer Ware ausgedrückt ist – ohne Berücksichtigung der Nullsätze. Die britische Regierung hatte vorab eine Konsultation durchgeführt.

Beim Handel mit Agrarprodukten fällt die Zollbelastung am höchsten aus. Die Briten werden – so wie auch die EU – ihren Landwirtschaftssektor durch hohe Zölle schützen. Im Agrarsektor werden häufig gemischte Zölle angewendet, die in Prozent vom Einfuhrwert plus einem Währungsbetrag bezogen auf eine Gewichtseinheit formuliert sind; im neuen britischen Tarif sind es knapp 200. Die vorgeschlagenen UK-Tarife für wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse entsprechen im Großen und Ganzen den Zöllen, die derzeit von der EU auf Einfuhren aus Drittländern erhoben werden, nach Währungsumrechnung: Rindfleisch: 12 Prozent, plus 254 GB je 100 kg, Lammfleisch: 12 Prozent, plus 260 GBP je 100 kg, Butter: 158 GBP je 100 kg und Käse: 139 GBP je 100 kg (KPMG, 2020). Schaffleisch mit Knochen wird gemäß dem neuen UK-Tarif mit 12 Prozent plus 186 GBP je 100 kg belastet. Dies dürfte besonders die irischen Exporteure landwirtschaftlicher Erzeugnisse treffen, wenn es nicht zu einem Freihandelsabkommen kommt.

Im Landwirtschaftsbereich werden auch Zolltarife angewendet, die in Währungseinheiten – also Euro oder GBP – bezogen auf eine Gewichtseinheit ausgedrückt werden, sogenannte Mengen- oder spezifische Zölle. Ein Beispiel: Auf die Einfuhr von nicht geröstetem Weizenmalz sieht der UK-Tarif einen Satz von 112 GBP je Tonne vor, bei der EU sind es 134 Euro. Der neue britische Tarif enthält rund 470 solcher Mengenzölle. In geringem Umfang existieren im britischen Tarif auch spezifische Zölle, die sich auf die Stückzahl beziehen oder auf eine Volumeneinheit.

Der höchste Zoll ist mit 70 Prozent für die Einfuhr von Rauchtabak fällig (Tabelle). Der gleiche Zollsatz gilt auch für Wasserpfeifentabak. Die EU erhebt für die Einfuhr beider Produkte sogar einen Zollsatz von 74,9 Prozent. Auch Fruchtsäfte unterliegen bei der Einfuhr in das VK hohen Zöllen (Tabelle).