Um den Wohlstand in Deutschland nachhaltig zu sichern, sind in den nächsten Jahren für die deutsche Volkswirtschaft große Herausforderungen wie Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung zu meistern. Innovationen sind dabei der Enabler für Nachhaltigkeit und Wohlstand. Rund 83 Prozent der Erwerbstätigen in Forschungsabteilungen sind MINT-Kräfte (Anger et al., 2019), daher ist die Stärkung der MINT-Basis für Innovationen und Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung. Hierbei sind für die Innovationskraft sowohl MINT-Kräfte mit akademischen als auch beruflichem Abschluss von zentraler Bedeutung.

In den kommenden Jahren wird der MINT-Bedarf stark zunehmen. Der demografische Wandel bewirkt einen stark steigenden Ersatzbedarf an MINT-Kräften – vor allem mit beruflichem Abschluss. Die Digitalisierung führt bereits heute zu einem stark steigenden Bedarf an Informatikern. Die Dekarbonisierung ist durch technologische Innovationen möglich, die zumeist durch MINT-Kräfte erforscht und entwickelt werden. Um die Innovationskraft zu stärken, sollten die Forschungsausgaben auf 3,5 Prozent des BIP erhöht werden. Um das 3,5%-Ziel zu erreichen, werden nach IW-Berechnungen allein 220.000 zusätzliche MINT-Kräfte benötigt (Anger et al., 2019).

Im Rahmen ihrer Fachkräftestrategie versucht die Bundesregierung Maßnahmen zu entwickeln, um die Fachkräftebasis und damit die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu sichern. Hierbei setzt die Bundesregierung auf die drei Säulen Inland, Europa und International (Drittstaaten). Da die Hauptherkunftsländer der Zuwanderung aus der EU in den kommenden Jahren selbst vor großen demografischen Herausforderungen stehen werden, sind aus strategischer Sicht Netzwerke in demografiestarke Drittstaaten von besonderer Bedeutung (Geis et al., 2016).

Bei der Zuwanderung aus Drittstaaten hat die Bundesregierung mit der Blauen Karte und weiteren Verbesserungen der Zuwanderungswege wichtige Impulse gesetzt. Dazu wirbt die Regierung seit 2012 gezielt in Drittstaaten um akademische Fachkräfte in den MINT-Berufen. Mit Erfolg: Die Beschäftigung von Ausländern aus Drittstaaten (ohne die 4 Hauptherkunftsländer der Geflüchteten) in akademischen MINT-Berufen hat zwischen dem 31. Dezember 2012 und dem 30. Juni 2019 von 30.300 auf rund 75.900 um 45.600 beziehungsweise 150 Prozent zugenommen (Abbildung 1). Besonders stark ist dabei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Indern in akademischen MINT-Berufen gestiegen – seit Ende 2012 um mehr als 310 Prozent. Im Unterschied zur GreenCard, die von 2000 bis 2004 auch Inder in akademischen MINT-Berufen anwerben wollte, sind die Impulse zur Fachkräftesicherung aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen seit 2012 sehr erfolgreich. Allein die zusätzlichen 45.600 Beschäftigten aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen tragen zur jährlichen Wertschöpfung in Höhe von knapp 5,2 Milliarden Euro bei.