Die Brexit-Verhandlungen sind in der entscheidenden Phase. Eine Einigung auf ein gutes Abkommen ist zwar möglich (Matthes, 2018a). Doch auch ein No-Deal-Szenario mit einem harten Brexit ist weiterhin nicht auszuschließen (Bardt/Matthes, 2018) – mit den entsprechend negativen Rückwirkungen für beide Seiten (Busch/Matthes, 2016; Matthes et al., 2017; Hüther et al., 2018). Auch wenn die rechtlichen Folgen des Brexits erst 2019 oder nach einer Übergangszeit wirksam werden, sind wirtschaftliche Konsequenzen schon heute zu spüren. Eine aktuelle Umfrage des IW-Zukunftspanels zeigt, wie stark deutsche Unternehmen bereits die Konsequenzen der Austritts-Entscheidung des UK spüren.

Die bisherigen negativen Brexit-Effekte speisen sich aus verschiedenen Quellen:

  • So hat das britische Pfund gegenüber dem Euro merklich abgewertet. Die Abwertung hat die deutschen Warenexporte vor allem im zweiten Halbjahr 2016 nach dem Brexit-Referendum deutlich reduziert (Kolev et al., 2016; Matthes, 2018b).
  • Zudem hat sich die Dynamik der Nachfrage nach deutschen Gütern im UK gemindert, weil das Wirtschaftswachstum dort zurückgegangen ist (Matthes, 2017). Das liegt vor allem an dem abwertungsbedingten Anstieg der Inflation, der Realeinkommen und Konsumdynamik verringert hat (Matthes, 2018c) sowie an einer zunehmenden Investitionszurückhaltung aus dem In- und Ausland im UK (Matthes, 2018d), die viel mit der hohen Unsicherheit über die weitere Entwicklung zu tun hat.

Um die konkrete Wirkung der Brexit-Aussichten auf Unternehmen in Deutschland zu vermessen, wurden im September und Oktober 2018 im Rahmen des IW-Zukunftspanels rund 1.100 deutsche Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen befragt. Das Ergebnis der IW-Umfrage zeigt, dass der überwiegende Teil der deutschen Unternehmen sich bisher nicht oder nur geringfügig von dem anstehenden Brexit betroffen sieht. Dagegen melden die im UK aktiven deutschen Firmen durchaus deutlich negative Effekte auf ihre Investitionen dort.

Die umsatzgewichteten Zahlen zeigen für Deutschland (Abbildung): Unter allen befragten Unternehmen sehen rund 88 Prozent keine Auswirkungen auf ihre Beschäftigung und Produktion. Stark negative Auswirkungen sieht so gut wie kein Unternehmen und leicht negative Effekte bemerken nur rund 6 Prozent. Bei einer weiteren Unterteilung der Unternehmen zeigen sich keine großen Unterschiede. So ist der Anteil der Firmen, die keine Auswirkungen auf ihre Beschäftigung und Produktion melden, durchweg sehr hoch. Das gilt gleichermaßen für Großunternehmen ab 250 Mitarbeitern (82 Prozent), Industrieunternehmen (90 Prozent), Firmen mit UK-Export (92 Prozent) und Firmen mit UK-Produktion (84 Prozent).