Seit Donald Trump 2016 erstmals ins Weiße Haus gewählt wurde, ist der Ton der Bundesregierung ihm gegenüber merklich neutraler geworden. Doch die transatlantischen Beziehungen haben gelitten. Ein Regierungswechsel böte die Chance auf einen Neuanfang. Beispielsweise wäre vom demokratischen Herausforderer Joe Biden eine Rückkehr der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen sowie ein kooperativerer Ansatz in der Handelspolitik zu erwarten. Ein Regierungswechsel wäre ökonomisch und politisch im deutschen Interesse (Bardt/Kolev, 2020).

Jens-Peter Hiller

Jens-Peter Hiller

Redakteur

Um herauszufinden, in welcher Tonalität Bundestagsabgeordnete sich zu Trump und Biden äußern, hat das IW die Tweets aller Bundestagsabgeordneten mit einem Twitter-Account, 557 an der Zahl, zwischen dem 29. Februar und dem 5. Oktober 2020 untersucht. Am 29. Februar gewann Biden die demokratischen Vorwahlen in South Carolina und brachte sich damit als Herausforderer Trumps in Position. Untersucht wurden alle Tweets, in denen Joe Biden und/oder Donald Trump entweder über das „@“-Zeichen, per Hashtag oder im Text erwähnt wurden. Reine Retweets wurden nicht berücksichtigt. 1.037 Tweets von 196 Abgeordneten flossen so in die Untersuchung ein. Die twitternden Bundestagsabgeordneten verteilen sich etwa gleich auf die Fraktionen, was bedeutet, dass CDU/CSU und SPD unterrepräsentiert und die übrigen Fraktionen überrepräsentiert sind.

Trump beschäftigt die Bundestagsabgeordneten weit mehr als sein Herausforderer Biden. Seit dem 29. Februar haben sie in ihren Tweets 988 mal Trump erwähnt und nur 124 mal Biden. Das ist nicht überraschend, da Trump Twitter selbst viel häufiger nutzt als Biden und da er als Amtsinhaber die amerikanische Außenpolitik und die Beziehungen zu Deutschland bestimmt. Die meisten Tweets zu Trump und Biden stammen von Abgeordneten der Linken und der AfD. Am wenigsten twitterten Abgeordnete der CDU und CSU. Das deckt sich mit Serrano et al. (2019), wonach die AfD und die Linken auf Social Media besonders aktiv sind.