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Die Streikintensität lässt sich anhand der pro Jahr durch Streiks und Aussperrungen ausgefallenen Arbeitstage messen. Diese Kennzahl befindet sich seit dem Jahr 2000 auf dem niedrigsten Niveau seit den 1970er Jahren. Dies zeigt ein Periodenvergleich. Durchschnittlich gingen zwischen 2000 und 2011 pro Jahr rund 144.000 Arbeitstage verloren. In den 1990er Jahren lag der Durchschnittswert mit knapp 338.000 Tagen noch gut doppelt so hoch, in den 1970er Jahren fielen pro Jahr im Durchschnitt noch fast 800.000 Tage aus.

Das Jahr 1992 war besonders konfliktreich (Grafik). Ursächlich für den Großteil der über 1,5 Millionen ausgefallenen Arbeitstage war ein Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst. In den 1970er und 1980er Jahren erreichte die Streikintensität allerdings ganz andere Dimensionen. Allein im Jahr 1984 gingen 5,6 Millionen Arbeitstage verloren. Eine Hauptursache waren Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche, an denen sich allein in der Metallindustrie 58.000 Beschäftigte beteiligten. Als Reaktion sperrten die Arbeitgeber 150.000 Arbeitnehmer aus. Während des sieben Wochen dauernden Streiks wurde unter anderem die Automobilindustrie stark unter Druck gesetzt.

Dieses Beispiel verdeutlicht ein typisches Muster für die Streiktätigkeit vor 1990: Große Streiks betrafen vor allem das Produzierende Gewerbe und damit jene Branchen, in denen die Gewerkschaften traditionell stärker organisiert sind. Dies verdeutlicht auch ein Blick auf die Grafik, in der neben der Zahl der arbeitskampfbedingt ausgefallenen Arbeitstage auch der Anteil dargestellt ist, der davon auf den Dienstleistungssektor entfällt. Zeigt die Kurve der absoluten Streiktätigkeit (rechte Achse) vor 1990 einen Ausschlag, ist der relative Streikanteil des Dienstleistungssektors (linke Achse) gering (z.B. 1978 oder 1984). Wurde also viel gestreikt, geschah dies in Betrieben des Produzierenden Gewerbes. Umgekehrt erreichte der Dienstleistungssektor nur dann hohe Anteile, wenn das allgemeine Streikniveau gering war (z.B. 1980 oder 1990). Eine große Ausnahme stellt das Jahr 1974 mit dem ersten großen Nachkriegsstreik im Öffentlichen Dienst dar.

Dieser Zusammenhang lockerte sich im Laufe der 1990er Jahre. Seitdem liegen die relativen Anteile des Dienstleistungssektors am gesamten Streikvolumen über den Anteilen der beiden Dekaden davor, wobei das Streikvolumen absolut betrachtet rückläufig war. Eine weitere Steigerung der Streikanteile des Dienstleistungssektors lässt sich dann ab 2006 beobachten. In den letzten sechs Jahren lagen die Anteile im Durchschnitt bei fast 80 Prozent. Die Spannbreite reichte von 51 Prozent (2008) bis 98 Prozent (2009).

Man kann hierin eine strukturelle Veränderung erkennen: Große Massenstreiks, die vor allem mit den gut organisierten Belegschaften industrieller Großbetriebe geführt werden konnten, treten kaum noch auf. Zwar wird die Jahresbilanz der Ausfalltage immer noch stark von Einzelkonflikten geprägt, doch finden diese vermehrt im Dienstleistungssektor statt, z.B. 2006 im Öffentlichen Dienst und 2007 im Verkehrs- und Nachrichtensektor. Die quantitativen Ausmaße dieser Großkonflikte blieben aber deutlich hinter denen vergangener Arbeitskämpfe zurück.

Aus dieser Entwicklung darf aber nicht geschlossen werden, dass die deutschen Arbeitsbeziehungen konfliktärmer geworden sind. Das zunehmende Aufkommen von Sparten- und Berufsgewerkschaften wirft Probleme auf, die an den Ausfalltagen kaum abzulesen sind. Sie haben aber tiefgreifende Auswirkungen auf die betroffenen Betriebe sowie auf das allgemeine Klima der industriellen Beziehungen. Vor allem in der Daseinsvorsorge häufen sich Konflikte.

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