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Die amtliche Streikstatistik beruht auf Meldungen der Arbeitgeber. Nach § 320 (5) SGB III müssen Arbeitgeber den örtlichen Agenturen für Arbeit Streiks und Aussperrungen anzeigen. 2016 wurden einschließlich kleinerer Bagatellstreiks 235.202 Ausfalltage gemeldet. Im Vergleich zum Streikrekordjahr 2015 bedeutet das einen Rückgang um 80 Prozent. Im langfristigen Vergleich ab 2005 lag der jüngste Wert im Durchschnitt. Heftiger gestreikt wurde lediglich in den Jahren 2006 und 2007 (Grafik). Die sektorale Differenzierung zeigt, dass der Trend einer Tertiarisierung des Arbeitskampfes (die Verlagerung des Konfliktgeschehens in den Dienstleistungssektor) unterbrochen wurde. Seit 2005 entfielen im Durchschnitt jährlich 73 Prozent aller Ausfalltage auf den Dienstleistungssektor. Im Jahr 2016 entfielen hingegen knapp 50 Prozent aller Ausfalltage auf das Produzierende Gewerbe. Das war der höchste Anteil seit 2008. Verantwortlich dafür waren umfangreiche Warnstreiks der IG Metall im Zuge der Tarifrunde 2016 in der Metall- und Elektro-Industrie. Gleichzeitig verstrickte sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – anders als 2015 bei der Deutschen Post und den Kitas – in keinen ausufernden Großkonflikt. Da diese beiden Gewerkschaften die mit Abstand größten deutschen Einzelgewerkschaften sind und Konflikte im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen nicht scheuen, bestimmten sie auch weitgehend das Arbeitskampfgeschehen.

Das 2016 mit Abstand am stärksten von Streiks betroffene Bundesland war Nordrhein-Westfalen. Fast ein Drittel aller durch Streiks verlorenen Arbeitstage fielen im bevölkerungsreichsten Bundesland an – deutlich mehr als im langfristigen Trend. Im Zehn-Jahres-Durchschnitt kommt NRW lediglich auf ein knappes Viertel. Baden-Württemberg kam 2016 auf einen Anteil von 21 Prozent, Bayern auf 13 Prozent.

Für das laufende Jahr 2017 deutet sich ein weiterer Rückgang der Ausfalltage an. Es gab zwar Warnstreiks im Öffentlichen Dienst, in der Stahlindustrie oder in der Textilindustrie. Deren Umfang hielt sich aber ebenso in Grenzen wie die Ausfalltage, die durch kleinere Aktionen wie zuletzt bei den Bodendiensten am Berliner Flughafen oder bei Amazon ausgelöst wurden. Große Tarifrunden finden in der zweiten Jahreshälfte – abgesehen vom Einzelhandel – vor allem in Dienstleistungssektoren statt, die nicht so konfliktreich verhandeln, etwa der Großhandel, das Versicherungsgewerbe, das Kfz-Gewerbe oder die Süßwarenindustrie. Das schließt Warnstreiks nicht aus. Diese sollten sich aber in Grenzen halten.

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