Immer mehr Unternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung (Bossler et al., 2018). Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist inzwischen das größte Hemmnis für die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) berechnet regelmäßig die Engpassquote. Dieser Indikator beschreibt die regionale Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt. Die Engpassquote gibt an, welcher Anteil der offenen Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben ist (Malin et al., 2019). In Engpassberufen kommen weniger als 200 qualifizierte Arbeitslose auf 100 bei den Arbeitsagenturen gemeldete offene Stellen. Dies berücksichtigt, dass nur etwa jede zweite offene Stelle gemeldet wird (IAB, 2019). Stellen für geringqualifizierte Helfer bleiben bei der Berechnung der Engpassquote außen vor.

Zum 30.06.2019 lag die Engpassquote deutschlandweit bei 79,5 Prozent. Das bedeutet, dass die Unternehmen heute zum überwiegenden Teil Mitarbeiter suchen, die einen Engpassberuf erlernt haben. Das war früher anders: Im Jahr 2010 betrug die Engpassquote deutschlandweit nur 25,4 Prozent. Vor fünf Jahren war sie bereits auf 48,5 Prozent gestiegen. Ein großer Teil des Arbeitsmarktes ist demnach zu einem Bewerbermarkt geworden, in dem sich aktuell die Bewerber zunehmend den attraktivsten Arbeitgeber aussuchen können.

Die gestiegenen Engpassquoten gehen sowohl auf eine steigende Anzahl offener Stellen als auch auf eine sinkende Anzahl qualifizierter Arbeitsloser zurück. Außerdem fragen die Unternehmen andere Berufe nach als früher, ohne dass sich die Qualifikationen der verfügbaren Arbeitskräfte im selben Maße verändert hätten. Der Fachkräftemangel bei Technischen Produktdesignern etwa hat zwar zu deutlich gestiegenen Ausbildungszahlen geführt, der Bedarf kann dennoch weiterhin nicht gedeckt werden (Burstedde/Schirner, 2019).

Vielen Regionen fehlen Fachkräfte mit Ausbildung und Studium

Die Engpassquote unterscheidet sich nur wenig nach dem gesuchten Qualifikationsniveau: So sind bei Stellen für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung 80,4 Prozent in Engpassberufen ausgeschrieben, bei Spezialisten mit Bachelor- oder Fortbildungsabschluss (bspw. Meister, Techniker) 82,0 Prozent und bei Experten mit Master oder vergleichbaren Qualifikationen 69,3 Prozent.

Es bestehen jedoch große regionale Unterschiede (siehe Grafik). Der Süden Deutschlands ist am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen. In Ostdeutschland war die Situation lange entspannter, in den letzten Jahren hat sich die Situation aber auch dort verschärft. Die niedrigste Engpassquote findet sich im Arbeitsagenturbezirk Berlin Süd mit 35,2 Prozent. Dort steht der Nachfrage der Unternehmen noch ein vergleichsweise großes Arbeitsangebot gegenüber. Die höchste Engpass­quote findet sich im Arbeitsagenturbezirk Schwäbisch Hall/Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg. Hier sind 93,5 Prozent aller Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben. In Regionen mit einer hohen Engpassquote stehen Arbeitgeber im besonders starken Wettbewerb um Fachkräfte.