Der Job-Futuromat (IAB, 2019) ist ein Online-Tool des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das dem Nutzer nach Eingabe eines Berufes dessen Automatisierbarkeit ausgibt. Er geht auf die Arbeit von Dengler und Matthes (2015) zurück, die mit großem Aufwand versucht haben, das „Substituierbarkeitspotenzial“ von Berufen zu ermitteln. Je höher der Wert, desto weniger wird der Beruf in Zukunft noch gebraucht – zumindest aus technischer Sicht. Zum Stand der Technik von 2013 sollten demnach 15 Prozent der Beschäftigten einer hohen Automatisierbarkeit ausgesetzt sein – also technisch betrachtet leicht ersetzbar sein. Mit der Technik von 2016 waren es schon 25 Prozent (Dengler/Matthes, 2018). Für einzelne Berufe sind Werte nur im Online-Tool verfügbar, zum Stand 2016.

Düstere Vorhersagen wie die des Job-Futuromats sind jedoch vor allem eines: zu pauschal. Sie schüren Ängste in der Bevölkerung und stellen die Digitalisierung als Bedrohungsszenario dar. Denn es fehlen dort alle Tätigkeiten, die im Zuge der Digitalisierung neu entstehen.

Die Aussagen des Futuromats passen auch nicht zu den aktuellen Entwicklungen am Ausbildungsmarkt. Berufe, die aus technischen Gründen nicht mehr benötigt werden, sollten sinkende Ausbildungszahlen aufweisen. In vielen Berufen mit angeblich hoher Automatisierbarkeit wird jedoch deutlich mehr statt weniger ausgebildet, wie etwa beim Chemikanten. Da die eigene Ausbildung für den Großteil aller Betriebe mit Kosten verbunden ist (Jansen et al., 2015), dürften die Ausbildungsbetriebe die neuen Fachkräfte auch noch eine Weile einsetzen wollen.

Besonders frappierend ist die Diskrepanz zwischen Futuromat-Aussage und aktueller Entwicklung bei Fachkräften mit einer Ausbildung in einem Elektroberuf. Diesen wurde bereits zum Stand der Technik von 2013 ein besonders hohes Substituierbarkeitspotenzial von 81 Prozent beschieden. Die Nachfrage der Unternehmen nach diesen Qualifikationen ist jedoch ungebrochen: In vielen Elektroberufen liegt inzwischen ein flächendeckender Fachkräftemangel vor (Burstedde et al., 2018). Die fehlenden Arbeitskräfte konnten bisher offensichtlich nicht durch Roboter und Algorithmen ersetzt werden. Vielmehr sind sie zur Gestaltung des digitalen Wandels für die Unternehmen essenziell. Daher haben die Unternehmen ihr Ausbildungsangebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet – mit Erfolg: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Elektroberufen ist von 2013 bis 2018 um 12,7 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 0,4 Prozent im Durchschnitt aller Berufe (BIBB, 2019). Dabei würden die Unternehmen noch mehr ausbilden, wenn es denn mehr Bewerber gäbe.

Neue Technologien erfordern häufig neue oder veränderte Kompetenzen. Berufe entfallen nicht einfach, sondern die Tätigkeiten verändern sich. Durch die technologieoffene Gestaltung der Ausbildungsordnungen ist die duale Ausbildung in Deutschland sehr anpassungsfähig. Nach der Ausbildung werden Fachkräfte durch Anpassungsqualifizierungen auf dem neuesten Stand der Technik gehalten. Ihr Beruf bleibt derselbe. Wenn Berufe durch neue Tätigkeiten und Technologien produktiver werden, kann dies den Bedarf an Menschen mit diesen Qualifikationen sogar steigern und deren Beschäftigung sichern.