Neue Mitglieder gesucht Image

Eine Gewerkschaft ist durchsetzungsfähig, wenn sie möglichst viele Mitglieder hat. Zur Steigerung ihrer Mitgliederzahlen hat die Gewerkschaft ver.di mit der 2012 gestarteten „Perspektive 2015 – ver.di wächst“ verstärkt auf eine intensivere Mitgliederbetreuung, auf die Gewinnung neuer Mitglieder und auf die Rückgewinnung ausgetretener Mitglieder gesetzt. Die Strategie ging auf. Nach Jahren drastischer Einbußen blieb die Mitgliederzahl in den letzten fünf Jahren mit gut 2 Millionen nahezu konstant. Derzeit wird ver.di so umstrukturiert, dass individuelle und kollektive Gewerkschaftsarbeit besser verknüpft sind und der Verwaltungsbereich effizienter arbeitet. Die Form der Umstrukturierung wurde gemeinsam auf allen Gewerkschaftsebenen erarbeitet, so dass ein Gefühl der Verbindlichkeit, Transparenz und Verantwortung entstehen konnte. Außerdem sollten die Wünsche und Erwartungen der Mitglieder stärker im Mittelpunkt stehen. Jedes Jahr treten 60.000 bis 68.000 Mitglieder aus. Sie sollen in Zukunft vermehrt von externen Dienstleistern „proaktiv“ zurückgewonnen werden – durch Direktansprache am Telefon oder per E-Mail. Auf diese Weise konnte zuletzt jedes siebte ehemalige Mitglied zum Neueintritt bewogen werden. Diese Rate soll gesteigert und die aktive Rückholarbeit flächendeckend eingeführt werden.

Für 2015 peilt die Organisation einen Mitgliederzuwachs an. Bis September 2015 traten 107.000 neue Mitglieder ein. Dabei wird das Online-Marketing immer wichtiger. 30 Prozent der Neuanmeldungen finden bereits online statt. Die Gewerkschaft finanziert sich überwiegend durch die Beiträge ihrer Mitglieder. Trotz leicht rückläufiger Mitgliederzahlen stiegen die Beitragseinnahmen seit 2011 um über 9 Prozent (Grafik). Die Überweisungen an den Streikfonds wuchsen von 17 Millionen Euro im Jahr 2011 auf über 36 Millionen Euro in diesem Jahr. Seit 2013 fließen jährlich 8 statt 4 Prozent der Beitragseinnahmen in den Fonds. Dadurch flossen allein in den letzten fünf Jahren 140 Millionen Euro in die Streikkasse. Diese Maßnahme wurde nötig, da sich die Anzahl der Arbeitskämpfe von 499 zwischen 2007 und 2010 auf 642 zwischen 2011 und 2014 erhöht hat. Dies entspricht einer Steigerung um 29 Prozent.

Ein weiteres zentrales Thema des Kongresses war die aktuelle Lohnpolitik. Ver.di möchte eine tarifliche Aufwertung von sozialen und frauentypischen Berufen durchsetzen, da die Anforderungen an diese Berufsgruppen in den letzten Jahren stark gestiegen seien. Zusätzlich sollen die Personalschlüssel verbessert werden, um eine gute Arbeitsqualität zu gewährleisten. Der diesjährige Großkonflikt der Erzieherinnen hat gezeigt, dass ver.di diese Forderungen notfalls mit Streik durchsetzen will. Missstände herrschen nach Ansicht der Gewerkschaft aber nicht nur bei Erziehungsberufen, sondern auch in den Sozialberufen des Gesundheits- und Bildungsbereichs sowie der Altenpflege. Vom Gesetzgeber verlangt ver.di eine rasche Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 10 Euro je Stunde, sowie eine intensivere Nutzung des Instruments der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen. Dies soll einem weiteren Rückgang der Tarifbindung entgegenwirken. Flankierend will ver.di die eigene Durchsetzungsfähigkeit stärken, um wieder mehr Betriebe in die Tarifbindung zu bringen.

Intensiv diskutiert wurden auch die Folgen der Digitalisierung, die Verteilungspolitik, der Umgang mit der erwarteten Altersarmut und das Thema „gute Arbeit“. ver.di versteht unter „guter Arbeit“, dass Arbeit gut bezahlt, sozial abgesichert und menschengerecht gestaltet ist, dass es gute Qualifikations- und Bildungschancen gibt, dass die Arbeitnehmer Partizipationsmöglichkeiten haben und dass die Arbeitsbedingungen tariflich geschützt und gestaltet sind. Paula Hellmich

Schlichtung ist weiterhin nötig
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