Gutes Leben gleich sicherer Job
Gutes Leben gleich sicherer Job

Die IG Metall hat im Frühjahr 2009 die Kampagne „Gemeinsam für ein gutes Leben“ durchgeführt. Insgesamt kamen dabei mehr als 450.000 Fragebögen aus den Betrieben (75 Prozent) und aus Straßenbefragungen (25 Prozent) zurück. Sie bestanden aus einem beidseitig bedruckten Blatt, auf welchem verschiedene gesellschafts- und wirtschaftspolitische Politikfelder abgefragt wurden. Möglich waren jeweils vier Antwortkategorien, die sich entweder nach der Wichtigkeit („unwichtig“ bis „sehr wichtig“) oder nach dem Zustimmungsgrad („stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“) unterschieden. Zu den Ergebnissen gehörte, dass den Menschen in der Krise Arbeitsplatzsicherheit besonders wichtig ist.

Im Themenfeld „Wirtschaft und Betrieb“ waren 79 Prozent der Befragten der Überzeugung, Arbeitnehmer dürften nicht die Leidtragenden der aktuellen Krise sein. Am wichtigsten sei es, Entlassungen zu vermeiden. Geringer fiel die ungeteilte Zustimmung bei den Positionen aus, die Wohlhabenden müssten finanziell mehr zur Krisenüberwindung beisteuern (64 Prozent) und die Manager müssten mehr tun, um Arbeitsplätze zu halten (65 Prozent). Offenbar erkennen viele Arbeitnehmer an, dass die Betriebe bislang über die Nutzung von Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle in großem Umfang Entlassungen vermieden haben. Danach wurde aber nicht gefragt.

Im dritten Fragenblock sind Anforderungen an die Politik formuliert worden. 81 Prozent stimmten voll und ganz zu, die Rente mit 67 zurückzunehmen. Dass man von seiner Arbeit anständig leben kann und gesetzliche Mindestlöhne notwendig seien, bejahten 78 Prozent voll. Bei der Forderung nach mehr Mitbestimmungsrechten traf das auf immerhin noch 69 Prozent der Befragten zu.

Der Forderungskatalog an die Politik kam allerdings auf problematische Weise zustande. So suggerieren die Fragen, dass „gutes Leben“ stets im mittel- oder unmittelbaren Zusammenhang allein mit der Arbeit stünde. Ebenfalls relevante Faktoren wie soziale Kontakte oder eine sinnvolle Freizeitgestaltung blieben außen vor.

Zudem wurde nur nach der Relevanz der Themen gefragt, nicht aber danach, was auf den einzelnen Gebieten erreicht worden ist. Dass sich jeder einen sicheren Arbeitsplatz wünscht, erscheint trivial. Interessanter wäre, zu fragen, wie die eigene Sicherheit beurteilt wird und ob Instrumente wie die Nutzung von Kurzarbeit die Sorgen der Beschäftigten mindern können.

Problematisch ist schließlich die Verknüpfung unterschiedlicher Sachverhalte. Das geschah unter anderem bei den Themen Mindestlohn und Zeitarbeit: Wer dem Standpunkt „Man muss von seiner Arbeit anständig leben können“ voll zustimmte, plädierte nach dem Aufbau der Befragung gleichzeitig für die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne. Insgesamt brachte die Umfrage wenig Aufschluss darüber, ob und wie stark die Sorgen der Arbeitnehmer durch die Krise zugenommen haben.

Die aus der Umfrage abgeleiteten Forderungen sind nicht neu. Gegen die Rente mit 67 läuft die IG Metall schon länger Sturm. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände verweist dagegen darauf, dass die Rente mit 67 angesichts der demografischen Entwicklung ohne Alternative sei. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bezeichnete den Fragebogen als eine „Ansammlung pauschaler Aussagen“, die beliebig interpretierbar seien.

Dr. Hagen Lesch

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