Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat in diesem Jahr zum dritten Mal seinen Index „Gute Arbeit“ veröffentlicht. Die Untersuchung basiert auf einer schriftlichen Befragung von knapp 8.000 Arbeitnehmern aller Regionen, Einkommensgruppen, Branchen, Betriebsgrößen in unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen.

Beleuchtet wurden insgesamt 15 Aspekte, die die Qualität der Arbeit messbar machen sollen. So wurde zum Beispiel nach den Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten gefragt, nach dem Informationsfluss, der Kollegialität, der Arbeitsintensität sowie danach, ob das Einkommen und die zu erwartende Rente für ausreichend gehalten werden.Ob jemand eine „gute“, „mittelmäßige“ oder „schlechte“ Arbeit hat, bildet der Index auf einer Skala von 0 bis 100 ab, wobei Werte bis 50 als schlecht und über 80 als gut gelten.

Gut ist ein Job nach DGB-Maßstäben, wenn Arbeitnehmer die Arbeitsbedingungen als entwicklungsförderlich, gut bezahlt und wenig belastend einstufen. Ein Indexwert unter 50 besagt, dass der Arbeitsalltag als belastend und entwicklungsarm empfunden wird und das Einkommen zu niedrig ist.

DGB-Studie
DGB-Studie

Die höchsten Werte gab es mit 79 Punkten für den Sinngehalt der Arbeit sowie für die Kollegialität mit 78 Punkten. Überdurchschnittlich gut wurden auch die kreativen Möglichkeiten und der Informationsfluss am Arbeitsplatz bewertet (Grafik).

Ingesamt jedoch ergab sich lediglich ein Index-Durchschnitt von 58 Punkten. Die Ursache dafür ist die schlechte Beurteilung der Einkommenssituation (40 Punkte), der Aufstiegsmöglichkeiten (47 Punkte), der beruflichen Zukunftsaussichten und der Arbeitsplatzsicherheit – Aspekte, die auch von der Wirtschaftslage abhängen und vom eigenen Arbeitgeber nur zum Teil beeinflusst werden können.

Diese Ergebnisse weichen von anderen Umfragen ab. So benoten in einer Untersuchung der vom Bundesarbeitsministerium mitgetragenen Initiative Neue Qualität der Arbeit zwei Drittel der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz mit „sehr gut“. Eine Studie der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen hat im Jahr 2007 sogar ermittelt, dass sich 90 Prozent der Deutschen in ihrem Job wohl fühlen – 7 Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt.

Das wirft Fragen nach der Methodik des DGB-Indexes auf. Den vier Antwortkategorien werden mehr oder weniger willkürliche Punktzahlen zugewiesen. So gibt es im Bereich „Ressourcen“ für die zweitbeste Antwort („in hohem Maß“) 83 Punkte, bei den Belastungen aber nur 75 Punkte. Zudem sind die Antwortmöglichkeiten eingeschränkt, weil zwischen „in hohem Maß“ und „in geringem Maß“ eine Zwischenbewertung fehlt. Sinnvoller wäre, fünf statt nur vier Antwortkategorien vorzugeben und die Antworten mit 1 bis 5 Punkten zu bewerten.

Auch die vorgenommene Skalierung wirkt beliebig. Je höher man die Messlatte für „gute“ Arbeit ansetzt, desto geringer wird natürlich der Prozentsatz der Arbeitnehmer, dem der Sprung über diese Hürde gelingt.

Dr. Hagen Lesch

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