Organisationsgrad und Tarifbindung in Europa (I) Image

Dieser Zweig ist in den meisten europäischen Staaten durch einen ausgeprägten Gewerkschaftspluralismus gekennzeichnet. Wie die Untersuchung zeigt, ist die Konkurrenz, das Mit- und Nebeneinander von vier Gewerkschaften wie Transnet, GDBA, GDL und ver.di bei Deutscher Bahn und Co. keineswegs eine deutsche Besonderheit.

In zehn der 24 untersuchten Länder vertreten sechs oder mehr Arbeitnehmervereinigungen die Interessen der Beschäftigten; in den drei Ländern Dänemark, Polen und Portugal ist die Anzahl der Gewerkschaften sogar zweistellig. Lediglich in Österreich, Griechenland und in Lettland sind die Beschäftigten nur in einer einzigen Gewerkschaft organisiert.

Dieser Pluralismus ist in den meisten Ländern darauf zurückzuführen, dass viele Gewerkschaften vorrangig die Beschäftigten einer bestimmten Berufsgruppe als Mitglieder gewinnen. Dies gilt insbesondere für Zugführer und Zugbegleiter. Daher überschneiden sich häufig die Inter-essen- und Mitgliederdomänen der einzelnen Gewerkschaften. Die Folge kann eine zum Teil erbitterte Konkurrenz zwischen den Gewerkschaften sein.

Grundsätzlich zählt der Schienenverkehr zu einem der hochgradig gewerkschaftlich organisierten Wirtschaftszweige, auch wenn der Organisationsgrad der einzelnen Gewerkschaften teilweise erheblich variiert. In vielen osteuropäischen Ländern, aber auch in den Niederlanden können die einzelnen Gewerkschaften zum Teil nur einen Bruchteil der infrage kommenden Beschäftigten als Mitglieder gewinnen.

In anderen Ländern wie Dänemark, Finnland und Rumänien erreichen sie zum Teil einen Organisationsgrad von 100 Prozent. In Irland ist dies zum Beispiel darauf zurückzuführen, dass der Eintritt in ein Unternehmen bzw. in eine bestimmte Tätigkeit die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft erzwingt, die für diese Belegschaften die Arbeitsbedingungen festlegt (Closed-Shop-Prinzip).

Angesichts des insgesamt hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrads im Schienenverkehr überrascht es auch nicht, dass der Anteil der Mitarbeiter, deren Löhne und Arbeitszeiten durch Tarifverträge bestimmt werden, in den meisten europäischen Staaten bei 100 Prozent liegt.

Auch wenn für Deutschland keine validierbaren Zahlen vorliegen, ist der Bindungsgrad der Tarifverträge, die Transnet, GDBA, GDL und mit Abstrichen auch ver.di abschließen, sehr hoch. Dies gilt nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitgeber in Deutschland die Tarifverträge schließlich häufig auch auf die Arbeitsverhältnisse von Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern anwenden.

Link: www.eurofound.europa.eu/eiro/studies/tn0710037s/tn0710037s_1.htm

* EIRO = European Industrial Relations Observatory: Die Initiative untersucht Arbeitsbeziehungen in Europa.

Schlichtung ist weiterhin nötig
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