IG Metall vor ver.di
IG Metall vor ver.di

Die Vorzeichen des Kongresses waren außerordentlich günstig. Der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, berichtete, dass die Zahl der Mitglieder erstmals seit 18 Jahren gestiegen sei. Bis zum Jahresende erwartet die mit 2,2 Millionen Mitgliedern größte deutsche Gewerkschaft einen Mitgliederzuwachs von rund 15.000. Diese positive Entwicklung beschert die höchsten Beitragseinnahmen der Geschichte (460 Millionen Euro), was einen ausgeglichenen Haushalt ermöglicht. Ein Grund für diesen positiven Trend: Im Rahmen des Projekts IG Metall 2009 wurden den örtlichen Verwaltungsstellen mehr Finanzmittel zugeteilt (20 Millionen Euro pro Jahr), um mehr Frauen, Migranten und junge Leute zu organisieren, neue Berufsgruppen wie Ingenieure und Studierende anzusprechen und den Fuß in neue Firmen und Branchen (zum Beispiel: Windenergie oder Zeitarbeit) zu bekommen. Dies zahlt sich bereits aus.

Entsprechend ging es auf dem Kongress harmonisch zu. Einziger Wermutstropfen war, dass die ebenfalls im Zuge der Organisationsreform angestrebte Verkleinerung des Vorstands von sieben auf fünf Köpfe nicht die notwendige Zustimmung der Delegierten erhielt. Die angestrebte Zweidrittelmehrheit wurde um neun Stimmen verfehlt. Eine nachhaltige Schwächung der IG-Metall-Führung lässt sich daraus aber nicht ableiten. Zum einen sprachen sich 96 Prozent der Delegierten für Berthold Huber als Ersten Vorsitzenden aus, sein Stellvertreter Detlef Wetzel erreichte eine Zustimmung von 84 Prozent – damit schnitt Huber etwas besser, Wetzel etwas schlechter als vor vier Jahren ab. Zum anderen schweißen die Erfolge der letzten Jahre zusammen. Und schließlich dürfte auch das Programm für die nächsten Jahre wenig Anlass geben, in alte Grabenkämpfe zwischen Reformern und Traditionalisten zurückzufallen. Mit der Kritik an „neoliberaler“ Wirtschaftspolitik, mit der Kampagne „Gleiche Arbeit, gleiches Geld“ in der Arbeitnehmerüberlassung oder mit der Opposition gegen die Rente mit 67 gibt es derzeit genügend Themen, die die verschiedenen Strömungen innerhalb der Großorganisation einen.

Zu den im mündlichen Geschäftsbericht des Ersten Vorsitzenden ausführlich dargestellten Erfolgen der letzten Jahre gehören erfolgreiche Arbeitskämpfe gegen Standortverlagerungen, gegen den Abbau von Arbeitsplätzen oder für die Anerkennung von Gewerkschaften in einzelnen Firmen. Als Erfolg wurde auch die Tarifpolitik bewertet. Die Organisation habe mit ihren Tarifabschlüssen maßgeblich dazu beigetragen, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise keinen massiven Einbruch bei der Beschäftigung ausgelöst habe. Es sei auch die IG Metall gewesen, die eine Umweltprämie auf Altautos zur Belebung der Automobilnachfrage vorgeschlagen habe und es war auch die IG Metall, die für eine Verlängerung der Kurzarbeit plädiert habe. Außerdem hätten zahlreiche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung auf der Betriebsebene zur Sicherung vieler Arbeitsplätze beigetragen.

Zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben gehören die Durchsetzung besserer Perspektiven für junge Menschen, die Fortsetzung der Kampagne „Gleiche Arbeit – gleiches Geld“ in der Arbeitnehmerüberlassung und eine neue Kampagne für einen fairen Übergang in die Rente. Dazu schlägt die IG Metall eine ganze Reihe konkreter Maßnahmen vor, die nach Auffassung der Gewerkschaft darauf abzielen, die Innovationskraft von Unternehmen zu stärken (die IG Metall bezeichnet sich daher auch als „Innovationsgewerkschaft“). Um die Perspektiven junger Menschen zu verbessern, sei eine tarifvertraglich geregelte Übernahmegarantie für Auszubildende notwendig. Nachwuchskräfte sollen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung unbefristet übernommen werden. Zeitarbeitnehmer sind den Stammbelegschaften gleichzustellen. Dies beinhaltet nach Auffassung der IG Metall nicht nur eine gleiche Bezahlung, sondern auch volle Mitbestimmungsrechte in den Entleihfirmen für die Zeitarbeitnehmer.

Ältere Arbeitnehmer sollen nach 40 Jahren Berufstätigkeit ohne Abschläge in Rente gehen können. Im Rahmen eines „demografischen Interessenausgleichs“ sollen Arbeitgeber zum Beispiel über 50-Jährige von Schicht- und Nachtarbeit freistellen. Halten Ältere trotzdem nicht bis zur Regelaltersgrenze durch, sollen die Arbeitgeber die dann anfallenden Rentenabschläge ausgleichen.

Schlichtung ist weiterhin nötig
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