Im Rahmen des ALLBUS 2010 wurden mehr als 2.800 Personen befragt, darunter über 1.000 Arbeitnehmer. Beim ALLBUS handelt es sich um eine Befragung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. In jeder Befragungswelle werden Personen aus einer neuen Stichprobe über ihre Einstellungen, ihre Verhaltensweisen und zur Sozialstruktur befragt. Die ALLBUS-Daten bieten sich für die Mitgliederanalyse der Gewerkschaften an, da sie einen recht großen Zeitraum abdecken und die Bevölkerung Deutschlands gut abbilden. Die Gewerkschaftsmitgliedschaft wird allerdings nur allgemein abgefragt. Eine Zuordnung der Mitglieder auf die Einzelgewerkschaften ist daher nicht möglich.

Der Vergleich mit den Auswertungen vorausgegangener ALLBUS-Befragungen zeigt (z.B. IW-Gewerkschaftsspiegel 4/2010): Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer an allen abhängig Beschäftigten, der Netto-Organisationsgrad, geht immer noch leicht zurück. Im Jahr 2000 waren 19,4 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert, im Jahr 2010 waren es 17,4 Prozent. Im Vergleich zu den 1990er Jahren ist der Mitgliederrückgang aber gebremst.

Ein Blick auf die Mitgliederstruktur zeigt, dass die Organisationsneigung zwar gering ist, zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen aber auch deutliche Unterschiede bestehen (siehe Tabelle). Besonders auffällig sind diese zwischen Beamten, Angestellten und Arbeitern. Den höchsten Organisationsgrad weisen mit mehr als 40 Prozent Beamte auf. Bei den Arbeitern beträgt der Anteil der Organisierten 19,3 und bei den Angestellten lediglich 13,7 Prozent. Bei dem Vergleich dieser Kategorien ist jedoch zu beachten, dass die Anzahl der im ALLBUS befragten Beamten recht gering ausfällt. Bei der Interpretation dieser Werte ist jedoch zu beachten, dass der Anteilswert für die Beamten auf einer sehr kleinen Fallzahl basiert. Daraus ergibt sich eine statistisch mögliche Abweichung der Anteilswerte für Beamte von 7 Prozentpunkten. Doch selbst wenn man dies berücksichtigt, bleibt ein deutlich höherer Organisationsgrad der Beamten bestehen.

Die Ursache der überdurchschnittlichen Organisationsneigung von Staatsdienern könnte das besondere Abhängigkeitsverhältnis der Beamten gegenüber dem Staat sein. Im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern sehen sich die Beamten in Verhandlungssituationen nur dem Staat als einzigem Arbeitgeber gegenüber, der zudem ihre Besoldung verordnet, anstatt sie auszuhandeln.

Mitgliederstruktur der Gewerkschaften
Mitgliederstruktur der Gewerkschaften

Nach wie vor sind Frauen seltener in Gewerkschaften organisiert als Männer. Dieser Unterschied zeigt sich vor allem für Westdeutschland. Im Osten hingegen sind kaum Unterschiede zu beobachten. Die höhere Mitgliedschaftsneigung von Vollzeitbeschäftigten gegenüber Teilzeitkräften besteht sowohl in West- als auch in Ostdeutschland.

Gegenüber der ALLBUS-Auswertung des Jahres 2008 ergeben sich zwei große Unterschiede. Erstens liegt der Netto-Organisationsgrad im Osten mit 18,0 Prozent erstmals über dem im Westen (17,2 Prozent). Zweitens lag der Organisationsgrad der 18- bis 29-Jährigen 2008 noch bei 17,1 Prozent, während sich für 2010 nur 10,2 Prozent ergeben. Damit sank der Anteil der Organisierten in dieser Altersgruppe um fast 7 Prozentpunkte. Dieser Unterschied relativiert sich jedoch, da die Stichprobe vergleichsweise wenige junge Arbeitnehmer enthält, die dazu noch gewerkschaftlich organisiert sind. Bei den jugendlichen Gewerkschaftsmitgliedern beträgt die mögliche statistische Abweichung vom ausgewiesenen Wert jeweils 4 Prozentpunkte nach oben und nach unten. Es gilt also weiterhin: Die Gewerkschaften tun sich sehr schwer damit, junge Arbeitnehmer an sich zu binden.

Schlichtung ist weiterhin nötig
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