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Im langfristigen Vergleich war das Tarifjahr 2016 weder harmonisch noch konfliktreich. Dies zeigt eine Auswertung von 13 Branchen mit rund 12 Millionen Beschäftigten (Tabelle). Die maximale Eskalationsstufe lag im Durchschnitt der 17 ausgewerteten Tarifverhandlungen bei 2,8. Sie gibt an, bis zu welcher Stufe ein Tarifkonflikt auf einer siebenstufigen Eskalationsskala eskaliert. Die Konfliktintensität – definiert als bereinigte Summe aller in Tarifverhandlungen genutzten Eskalationsmaßnahmen – lag bei 8,8 Punkten. Seit 2006 gab es fünf Jahre (2008, 2010, 2012, 2013 und 2014) mit einer geringeren maximalen Eskalationsstufe als 2016 und vier Jahre (2008, 2010, 2012 und 2013) mit einer niedrigeren Konfliktintensität.

Auf der Branchenebene gab es große Unterschiede. Während in der Bauindustrie, in der Chemischen Industrie oder bei den kommunalen Krankenhäusern konfliktfrei verhandelt wurde, eskalierte der Konflikt zwischen Piloten und Deutscher Lufthansa bis zum Arbeitskampf. Die Lokführergewerkschaft GDL erklärte die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert und rief die die Schlichtung an.

Die verschiedenen Konfliktlösungskulturen werfen die Frage auf, welche Möglichkeiten die Tarifparteien nutzen können, um Eskalationen zu vermeiden. Florian Weh, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Luftverkehr, plädiert für ein effektiveres Verhandlungsmanagement. Ohne eine gezielte Schulung der Verhandlungskompetenz drohten suboptimale Verhandlungen – selbst wenn die Mitglieder der Verhandlungsdelegationen erfahren seien. Der Wirtschaftsmediator Jörg Risse, Partner der Kanzlei Baker & McKenzie, schlägt vor, bei schwierigen Tarifverhandlungen einen Mediator hinzuzuziehen. Indem dieser den Verhandlungsprozess optimiert, eröffnet er einen Raum für die Tarifpartner, sich voll auf die inhaltlichen Fragen zu konzentrieren. Falls eine Mediation scheitert, kann eine Schlichtung helfen. Die Schlichtung greift Elemente der Mediation auf, wirkt darüber hinaus aber auch auf die Lösung des Tarifkonflikts hin. Anja Weber, nordrhein-westfälische Landesschlichterin, sieht hierin einen großen Vorteil. Denn oft reiche schon eine Versachlichung des Konflikts durch den Schlichter aus, um die Tarifparteien aufeinander zuzubewegen. Tatsächlich waren in den 13 untersuchten Branchen drei von vier Schlichtungen erfolgreich (Grafik S. 4).

Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr