Auf Basis der IW-Patentdatenbank können die Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt ab dem Jahr 2005 umfassend ausgewertet werden. In dem vorliegenden Beitrag wird die Patentaktivität der deutschen Kfz-Unternehmen analysiert. Dazu wurde zunächst eine Unternehmensgruppe definiert, welche die patentaktive Kfz-Industrie umfänglich abbildet. Die Patentanmeldungen der Unternehmen dieses Samples wurden dann einer weiteren Filterung auf Basis der in den Patentanmeldungen verwendeten Technologieklassen unterzogen. Durch die Filterung über Branchenzugehörigkeit und Technologien konnte die Patentaktivität mit Bezug zum Kfz trennscharf identifiziert und für den Zeitraum 2005 bis 2016 betrachtet werden. Für das Jahr 2016 können neben Analysen zur Struktur der patentaktiven Unternehmen und der angemeldeten Technologien auch Aussagen über regionale Verteilungen der Patentaktivität, die soziodemografische Struktur der Erfinder und die Bedeutung von Firmen im ausländischen Besitz getroffen werden.

Als Innovationstreiber treten vor allem die OEM und die umsatzstärksten Zulieferer auf. Diese zahlenmäßig kleine Untergruppe sorgt für die Masse der Patentanmeldungen. Hinsichtlich der technischen Dimension zeigt sich, dass der immer mehr unter Druck geratende konventionelle Antriebsstrang zwar noch mehr als ein Viertel der Patentanmeldungen der Kfz-Unternehmen ausmacht, aber in der Bedeutung inzwischen von Anmeldungen mit Schwerpunkten im Bereich der Elektronik überholt worden ist.

Erstmals können auch Zeitreihenanalysen vorgelegt werden. Gerade die Analyse des Zeitraums 2005 bis 2016 zeigt Trends und Entwicklungen auf. So hat das Unternehmenssample, welches die Kfz-Unternehmen bildet, seine Forschungsleistung in Form von DPMA-Patentanmeldungen zwischen 2005 und 2016 um 70 Prozent gesteigert. Damit haben die Kfz-Unternehmen eine gänzlich andere Entwicklung genommen als die restlichen Unternehmen in Deutschland, deren Patentaktivität im selben Zeitraum um fast 16 Prozent gesunken ist. Mit fast 47 Prozent aller Patentanmeldungen juristischer Personen dominieren die Kfz-Unternehmen die Patentaktivität. In der Binnenstruktur der Kfz-Patentanmeldungen lassen sich auf der technologischen Ebene deutliche Verschiebungen beobachten. Der konventionelle Antriebsstrang verliert kontinuierlich an Bedeutung, während sich Anmeldungen aus den Bereichen Elektronik und Digitalisierung im Vergleichszeitraum mehr als verdoppelt haben.

Die Daten untermauern eine Neuausrichtung der Forschung und Entwicklung der Kfz-Unternehmen, die bereits vor Jahren begann und nun Früchte trägt. Der häufig ausgesprochene Vorwurf, dass die deutschen Kfz-Unternehmen die zentralen Branchentrends „verpennen“ würden, lässt sich anhand der vorliegenden Auswertung nicht stützen. Die Daten zeigen eher, dass eine strategische Neuausrichtung bereits vor einigen Jahren eingeleitet wurde und dass die technische Basis für den jetzt beginnenden Markthochlauf neuer Technologien besteht. Ob sich die Erfolgsgeschichte der vergangenen 15 Jahre in Anbetracht der sich verändernden Konkurrenz fortschreiben lässt, bleibt offen. Eine Grundlage für weiteren Erfolg haben die Kfz-Unternehmen aber gelegt.