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Schon bei der Durchsetzung der ersten reichsweiten Tarifverträge im Buchdruckgewerbe ab 1873 deutete sich an, dass örtlich geschlossene Tarifverträge gegeneinander ausgespielt werden konnten und einer regionalen Ausweitung bedurften. Es zeigte sich aber auch, dass die Stabilität eines Tarifvertrags von seiner Akzeptanz abhing. Der Außenseiterwettbewerb durfte nicht zu groß sein und die tarifgebundenen Betriebe mussten sich tariftreu verhalten. Der
Durchbruch zu branchenweiten Tarifverträgen folgte allerdings erst mit der gegenseitigen Anerkennung von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften im sogenannten Stinnes-Legien-Abkommen Ende 1918. Dabei waren die Tarifparteien in dem Ziel geeint, den Einfluss des Staates zurückzudrängen und der Tarifautonomie Vorrang einzuräumen. Die weitere Entwicklung hat gezeigt, dass eine funktionierende Tarifautonomie keiner staatlichen Eingriffe bedarf. Kommen die Tarifpartner ihrem Gestaltungsauftrag aber nicht nach, greift der Staat in die Regelung der Arbeitsbedingungen ein. Vor diesem Hintergrund bietet die immer noch anhaltende Erosion des Flächentarifvertrags Anlass zur Sorge. Die Tarifpartner stehen daher vor der Herausforderung, die Akzeptanz des Flächentarifvertrags zu steigern und damit die Tarifautonomie zu sichern. Die sogenannten Tarifaußenseiter müssen sich fragen, ob sie dabei mitgestalten oder das Feld dem Staat übergeben wollen.

IW-Analyse

Hagen Lesch / Dennis Byrski: Flächentarifvertrag und Tarifpartnerschaft in Deutschland – Ein historischer Rückblick

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IW-Report
IW-Report, 22. Mai 2017

Hagen Lesch Mindestlohn und TarifgeschehenArrow

Seit Anfang 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Um die Auswirkungen auf das Tarifgeschehen zu untersuchen, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Experten aus acht Branchen befragt, die unmittelbar vom Mindestlohn betroffen sind. mehr

IW-Pressemitteilung, 22. Mai 2017

Hagen Lesch Branchenbefragung: Mindestlohn statt TariflohnArrow

Der Mindestlohn hat die Tarifverhandlungen komplizierter gemacht und manchen Tariflohn verdrängt. Wie eine Befragung von acht Branchenverbänden durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, sehen einige Verbände darin einen erheblichen Eingriff in die Tarifautonomie. mehr

Arbeitskämpfe – Streikzahlen normalisieren sich
IW-Nachricht, 2. Mai 2017

Arbeitskämpfe Streikzahlen normalisieren sichArrow

Nach der amtlichen Streikstatistik sind 2016 in Deutschland rund 235.000 Arbeitstage durch Arbeitskämpfe ausgefallen. Das ist zwar deutlich weniger als im Jahr zuvor, aber immerhin noch der dritthöchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Nordrhein-Westfalen ist Streikland Nummer eins. mehr