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Schon bei der Durchsetzung der ersten reichsweiten Tarifverträge im Buchdruckgewerbe ab 1873 deutete sich an, dass örtlich geschlossene Tarifverträge gegeneinander ausgespielt werden konnten und einer regionalen Ausweitung bedurften. Es zeigte sich aber auch, dass die Stabilität eines Tarifvertrags von seiner Akzeptanz abhing. Der Außenseiterwettbewerb durfte nicht zu groß sein und die tarifgebundenen Betriebe mussten sich tariftreu verhalten. Der
Durchbruch zu branchenweiten Tarifverträgen folgte allerdings erst mit der gegenseitigen Anerkennung von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften im sogenannten Stinnes-Legien-Abkommen Ende 1918. Dabei waren die Tarifparteien in dem Ziel geeint, den Einfluss des Staates zurückzudrängen und der Tarifautonomie Vorrang einzuräumen. Die weitere Entwicklung hat gezeigt, dass eine funktionierende Tarifautonomie keiner staatlichen Eingriffe bedarf. Kommen die Tarifpartner ihrem Gestaltungsauftrag aber nicht nach, greift der Staat in die Regelung der Arbeitsbedingungen ein. Vor diesem Hintergrund bietet die immer noch anhaltende Erosion des Flächentarifvertrags Anlass zur Sorge. Die Tarifpartner stehen daher vor der Herausforderung, die Akzeptanz des Flächentarifvertrags zu steigern und damit die Tarifautonomie zu sichern. Die sogenannten Tarifaußenseiter müssen sich fragen, ob sie dabei mitgestalten oder das Feld dem Staat übergeben wollen.

IW-Analyse

Hagen Lesch / Dennis Byrski: Flächentarifvertrag und Tarifpartnerschaft in Deutschland – Ein historischer Rückblick

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21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr