Die Digitalisierung bringt neue Geschäftsmodelle mit sich, darunter die sogenannte Sharing Economy. Zu dieser zählen alle ökonomischen Aktivitäten, die mithilfe einer webbasierten Plattform das Teilen von Gütern, Dienstleistungen und Wissen ermöglichen. Um zu ermitteln, welche Bedeutung Sharing-Plattformen in Nordrhein-Westfalen haben und ob es regionale Unterschiede in der Nutzung gibt, werden in dieser Studie nachfolgende sechs Sektoren untersucht.

  • Unterkunft. Onlineplattformen, die Anbieter und Nachfrager von Unterkünften zusammenbringen, spielen in NRW bereits eine vergleichsweise wichtige Rolle. Der Grad ihrer Etablierung unterscheidet sich je nach Region. Eine klare Stadt-Land-Differenz ist dabei nicht ersichtlich.
  • Mobilität. Carsharing, bei dem statt eines eigenen Autos ein Fahrzeug von privaten oder gewerblichen Anbietern geliehen wird, konzentriert sich in NRW bisher auf städtische Regionen mit vielen potenziellen Nachfragern. Das Ridesharing, bei dem Personen im eigenen Auto mitgenommen werden, ist insbesondere für Fahrten von und zu Hochschulstädten relevant. Es besteht insgesamt noch erhebliches Ausbaupotenzial.
  • Dienstleistungen. Die Onlinevermittlung von Dienstleistungen aller Art ist für NRW kaum relevant, selbst wenn der Begriff Sharing Economy sehr weit gefasst wird. Dies gilt auch für die urbanen Gebiete. Dienstleister sind bereits häufig auf Plattformen registriert, nutzen sie aber kaum.
  • Finanzdienstleistungen. Insgesamt hat Crowdfinanzierung für NRW noch eine geringe Bedeutung. Die Vergabe von Krediten über Onlineplattformen durch private Investoren (Crowdlending) entspricht, gemessen an der Bevölkerungszahl, etwa dem Bundesdurchschnitt, ist aber rückläufig. Crowdinvesting als Finanzierungsform von Start-ups konzentriert sich in NRW auf Großstädte und ist im Vergleich zu den Volumina anderer Investitionsformen von geringer Bedeutung. Crowdfunding-Projekte, die gewissermaßen auf Spenden basieren, sind zwar in fast allen Regionen NRWs anzutreffen, aber quantitativ wenig relevant.
  • Güter. Der Verleih von Gütern über Sharing-Plattformen macht nur einen kleinen Anteil am Gesamtgütermarkt in NRW aus. Dabei besteht in diesem Sektor großes Potenzial, weil viele Güter in Privathaushalten bisher suboptimal genutzt werden. Regionale Unterschiede sind in diesem Sektor gering.
  • Audiovisuelle Medien. Video- oder Musikstreaming ist in ganz NRW und besonders in kleinen Städten und ländlichen Regionen verbreitet. Aufgrund der dortigen schlechteren Bandbreitenverfügbarkeit könnten zum Teil jedoch Engpässe in den Randbereichen des Bundeslandes bestehen.

Sharing-Plattformen werden vor allem von jüngeren Zielgruppen genutzt, sowohl auf Nachfrager- als auch auf Anbieterseite. Für NRW ergeben Berechnungen zwischen 1 Million und 6,7 Millionen Nutzer. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass die Nutzung dieser Angebote zunehmen wird.

Die Befürchtung einiger etablierter Unternehmen, traditionelle Geschäftsmodelle würden durch die Sharing Economy zerstört, hat sich für NRW bisher nicht bewahrheitet. Vielmehr kann von einem Nebeneinander von traditionellen und Sharing-Geschäftsmodellen gesprochen werden. Die Verbraucher profitieren von einem differenzierteren Angebot. Die etablierten Unternehmen bemerken je nach Sektor neue Wettbewerber und nehmen diese Herausforderung zumindest teilweise an. Gründungen und Selbstständigkeit werden durch die Sharing Economy begünstigt.

Bezüglich der Auswirkungen der Sharing Economy auf den Arbeitsmarkt herrscht Ambivalenz. Zwar sind Beschäftigungsrückgänge vor allem in etablierten Unternehmen denkbar, gleichzeitig ist jedoch naheliegend, dass die Sharing Economy die Wirtschaft belebt und neue Möglichkeiten des Einkommenserwerbs sowie Flexibilität schafft.

Auch die Auswirkungen der Sharing Economy auf Ressourcenverbrauch und Umwelt lassen sich nicht abschließend bewerten. So kann das Teilen von Ressourcen verbrauchssenkend wirken und damit positive Effekte auf die Umwelt auslösen. Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Nachfrage nicht deutlich zunimmt oder die Transaktionskosten in Form der Transportkosten gering sind.

Insgesamt ist die Sharing Economy für NRW mit zahlreichen Chancen, aber auch mit Risiken verbunden. Die Risiken bestehen unter anderem in einem unfairen Wettbewerb mit etablierten Unternehmen und einer Verlagerung des unternehmerischen Risikos auf den Einzelnen. Chancen liegen vor allem in der Belebung statischer Märkte und in gesteigerter Innovationstätigkeit, der Senkung der Hürden für Gründer sowie der umfassenden Senkung von Transaktionskosten.