Niedersachsen hat in den letzten zehn Jahren in besonderem Maße vom Aufschwung in Deutschland profitiert. Die Kaufkraft je Einwohner wuchs um 0,5 Prozentpunkte schneller als in Deutschland, der Beschäftigungszuwachs fiel zwischen 2010 und 2019 mit 21,3 Prozent sogar um 1,8 Prozentpunkte höher aus als in Deutschland (19,5 Prozent). Letzteres hat zur Folge, dass die Unternehmen in zunehmendem Maße Engpässen bei der adäquaten Besetzung offener Stellen gegenüberstehen.

Dabei profitierten in Niedersachsen die ländlichen Räume fast in gleichem Maße wie die städtischen Räume. Im Vergleich zu Deutschland ist dies bemerkenswert, weil die Peripherie im Durchschnitt wachstumsschwächer ist. Ein wichtiger Grund liegt darin, dass in Niedersachsen der Anteil großer Unternehmen an allen Unternehmen in ländlichen Räumen doppelt so groß ist wie im deutschen Durchschnitt.

Der zehnjährige Aufschwung wurde bereits seit 2019 durch konjunkturelle Bremsspuren im Automobilsektor abgeschwächt – ab März 2020 schlug die Corona-Pandemie zu und hinterließ deutliche Spuren in Niedersachsens Arbeitsmarkt. Die Kurzarbeits- und die Arbeitslosenzahlen stiegen. Gleichwohl deutet die aktuelle Lage darauf hin, dass die massiven negativen Effekte nur kurzfristiger Natur sind. Alle volkswirtschaftlichen Kennzahlen zeigen am aktuellen Rand nach oben. Mit Erreichen des Vorkrisenniveaus wird im Jahr 2022 gerechnet, sofern nicht ein neuerlicher Lock-Down erneut die Wirtschaft bremsen sollte. Zwar steigen die Infektionszahlen derzeit weltweit wieder, die Todesfälle bleiben aber aktuell auf niedrigem Niveau, weshalb Lock-Downs als eher unwahrscheinlich zu erachten sind. Gleichwohl verschieben viele Unternehmen in Deutschland aktuell wegen Liquiditätsengpässe und einer unsicheren Perspektiven Investitionen. Damit der Einfluss der Corona-Pandemie nur ein Dip bleibt, müssen deshalb jetzt wichtige Investitionen in die Transformationsthemen und in die Erhöhung der Attraktivität Niedersachsens getätigt werden. Bei einem irreversiblen Verlust wichtiger Unternehmen und fehlendem Anschluss in der Transformation würde alternativ das Erfolgsmodell Niedersachsens auf dem Spiel stehen.

Die Kernergebnisse der Studie beziehen sich auf Befragungsdaten von über 600 niedersächsischen Unternehmen. Die Befragung fand von März bis Mai 2020 statt und damit mitten in der Hochphase der Pandemie. Deshalb sind die Ergebnisse als hochaktuell zu bewerten.