Der gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungsanteil des Industrie-Dienstleistungsverbunds ist deutlich höher, als es die reine Branchenbetrachtung für die Industrie suggeriert. Zugleich führt der Industrie-Dienstleistungsverbund zu erheblichen indirekten Exporten des Dienstleistungsbereichs, die über das Einbringen ihrer Dienstleistungen in die Exporte der belieferten Industrie entstehen.

Die deutsche Industrie kauft nicht nur Dienstleistungen im In- und Ausland ein, sie erstellt auch selbst in hohem Maße Dienstleistungen. Dieser Digitalisierung verschärft den Hybridisierungstrend. Integrierte Dienstleistungen und Wertschöpfungsketten werden mit zunehmender Digitalisierung an Bedeutung gewinnen. Derzeit ist rund ein Fünftel der gewerblichen Wirtschaft umfassend digitalisiert, einige der industrienahen Dienstleistungsbranchen sind dabei die Treiber. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass digitale Unternehmen stärker in Produktionsnetze integriert sind, als es sonst üblich ist.

Vor diese, Hintergrund greift in vielen wirtschaftspolitischen Fragen eine reine Branchenbetrachtung zu kurz. Das Verarbeitende Gewerbe hat einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Dienstleistungssektors, aber auch umgekehrt dürften die Dienstleistungen einen erheblichen Einfluss auf das Verarbeitende Gewerbe haben. Für eine erfolgreiche Zukunft sind Industrie und Dienstleistungen zusammen zu denken. Für die Politik bedeutet dies, dass Industrie- und Dienstleistungspolitik nicht getrennt, sondern zusammen entwickelt werden sollten. Eine reine Industriepolitik zur Stärkung der Industrie greift zu kurz und vernachlässigt die Impulse, die von einer Stärkung der Dienstleistungswirtschaft für die Industrie ausgehen können.

Bei der Analyse neuerer Entwicklungen haben sich Handlungsfelder gezeigt, deren Stärkung zum Wachstum des Industrie-Dienstleistungsverbunds beitragen kann:

  • Stärkung von Innovationen und Netzwerken: Hier gibt es viele erfolgreiche Ansätze. Gleichwohl sollte im Blick gehalten werden, ob sie überall ankommen, inwieweit auch nicht technische Innovationen ausreichend vorangebracht werden und ob weitere Hemmnisse bestehen, deren Überwindung zur weiteren Stärkung der industriellen Dienstleister beitragen kann.
  • Stimulierung der Hybridisierung und Internationalisierung: Hybride Industrieunternehmen haben sich als erfolgreich erwiesen. Dabei entstehen neue Herausforderungen für Unternehmen: Während Güter problemlos ausgeführt werden können, sieht dies bei Dienstleistungen etwas anders aus. Hier sind Verbesserungen des Regulierungsumfelds erforderlich, die Deutschland innerhalb der EU und in den wirtschaftlichen Beziehungen zu weltweiten Partnern anstreben sollte.
  • Verbesserung des Regulierungsumfelds: Hier gilt es, neue Impulse zu setzen und den Dienstleistungsaustausch innerhalb Europas weiter zu vereinfachen. Dabei sollte der Dienstleistungshandel in Verbindung mit Gütern stärker berücksichtigt und weiter vereinfacht werden. Hier können durch den Abbau bürokratischer Belastungen und die Vereinfachung und Harmonisierung von Verfahren für die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen weiter Wachstumspotenziale entfaltet werden. Dies gilt insbesondere für das geltende Entsenderecht und dessen unterschiedliche Umsetzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
  • Forcierung der Digitalisierung und Kräftigung der Produktivität: Die industrienahen Dienstleistungsbranchen sind die Treiber der Digitalisierung. Digitale Unternehmen sind stärker in Produktionsnetze integriert, sie arbeiten arbeitsteiliger und sind stärker in Wertschöpfungsketten mit anderen Unternehmen integriert. Vor allem größere Unternehmen und die Industrie sind auf leistungsstarke Zulieferer angewiesen. Um die Potenziale der digitalen Transformation zu heben, dürften Kooperationen mit anderen Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Daher greifen die zuvor genannten Maßnahmen zur Stärkung von Innovationen und Netzwerken und zur Stärkung der Hybridisierung und Digitalisierung hier ineinander. Voraussetzung für die Digitalisierung ist nach wie vor eine geeignete und kostengünstige technische Infrastruktur. Hier sind bestehende Lücken zu identifizieren und gezielt zu schließen.
  • Sicherung der Fachkräfteversorgung: Die industrienahen Dienstleister haben in der Vergangenheit erheblich Beschäftigung aufgebaut, allen voran die IT-Dienstleister. Zugleich sind Fachkräfteengpässe ein wichtiges Hemmnis bei der Umsetzung der Digitalisierung. Hier, aber auch in anderen Bereichen mit Fachkräfteengpässen, gilt es, die Fachkräfteversorgung zu sichern. Maßnahmen wie das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) leisten hier einen wichtigen Beitrag für kleine und mittlere Unternehmen.