Dies gilt insbesondere für das Ruhrgebiet. Unabhängig davon, ob zukünftig eher auf die Elektrifizierungs- oder auf die Wasserstofftechnologie gesetzt wird, trägt Wasserstoff im Jahr 2050 in hohem Maße zur Verringerung des CO2- Ausstoßes bei: Die CO2-Reduktionspotenziale in der Industrie, im Verkehr und bei der Wärmeerzeugung liegen im Ruhrgebiet zwischen rund 19.530.000 und 25.500.000 Tonnen pro Jahr. Gegenüber dem heutigen CO2-Ausstoß von 35.540.000 Tonnen (ohne Energiewirtschaft) verringert die Wasserstofftechnik den CO2-Ausstoß im Ruhrgebiet um 55 bis 72 Prozent.

Rund 11 Tonnen CO2 stößt nach Angaben des Umweltbundesamtes jeder Mensch in Deutschland durch Wohnen, Strom, Mobilität, Ernährung und sonstigen Konsum pro Jahr aus. Die möglichen CO2-Reduktionen im Ruhrgebiet durch die Wasserstofftechnologie entsprechen demnach dem CO2-Ausstoß von bis zu 2,3 Millionen Menschen und damit fast der Hälfte aller Einwohner des Ruhrgebiets.

Derzeit sind die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien noch nicht wirtschaftlich. Damit grüner Wasserstoff wirtschaftlich wird, sind weitere Kostendegressionen bei Wasserstofftechnologien erforderlich. Dabei ist aus Sicht der Bundesregierung ein schneller (internationaler) Markthochlauf für die Produktion und Nutzung von Wasserstoff von großer Bedeutung, um den technologischen Fortschritt sowie Skaleneffekte voranzutreiben. Bis zum Jahr 2030 wird der Markthochlauf insbesondere durch den Industriesektor (Chemie, Petrochemie und Stahl) und zunehmend durch den Einsatz von Brennstoffzellen im Schwerlastverkehr getrieben. Hier bietet das Ruhrgebiet aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur beste Ansatzpunkte.

Darüber hinaus sprechen mehrere weitere Gründe für den Markthochlauf der Wasserstofftechnologie im Ruhrgebiet: Es ist eines von drei Wasserstoffclustern in Deutschland mit einer europaweit einzigartigen Dichte an industriellen Wasserstofferzeugungsanlagen, einer hohen Eigenerzeugung von Wasserstoff als Nebenprodukt der chemischen Industrie, einer flächendeckenden Wasserstoffinfrastruktur und exzellenten Forschungseinrichtungen, die auch international Impulse setzen. Zudem gibt es im Ruhrgebiet bereits heute vielfältige Initiativen, wie Netzwerke und Forschungsansätze, um die Wasserstofftechnologie voranzutreiben. Insofern überrascht es nicht, dass das Ruhrgebiet das Wasserstoffranking 2020, das die regionale Verortung der Wasserstofftechnologie in Deutschland untersucht, ganz vorne steht.

In der Industrie führt bei der Stahlerzeugung und den Raffinerien kein Weg am Wasserstoff vorbei, sollen die CO2-Minderungsziele erreicht werden. Die Wasserstofftechnologie ist ein wesentlicher Teil der Lösung, ohne die das Ziel der Klimaneutralität in Europa nicht erreicht werden kann. Keine Lösung ist dagegen die Verdrängung der Industrie ins Ausland. Das globale Klimaproblem wäre damit mitnichten gelöst, sondern im Gegenteil eher noch verschärft, da die Industrieanlagen im Ausland oftmals noch mehr CO2 ausstoßen. Ein Beitrag zur CO2-Reduktion gelingt nur dann, wenn eine andere, weniger CO2 emittierende Technologie zum Einsatz kommt. Dies gelingt am besten am heimischen Standort. Es gilt daher, den CO2-Ausstoß weiter zu verringern, ohne die Industrie zu verlieren.

Das Ruhrgebiet kann so seine Kernkompetenzen im Zeitalter der ökologischen Transformation weiterentwickeln und zu einer grünen industriellen Vorreiterregion werden, in der mit neuen Technologien Arbeitsplätze am Puls der Zeit geschaffen und bestehende Arbeitsplätze in einer modernen Industrielandschaft gesichert werden.