Erneut zeichnet maßgeblich der Baubereich, der knapp 38 Prozent des Stellenangebots auf sich vereint, für die hohe und steigende Arbeitskräftenachfrage verantwortlich. Bundesweit und über alle Ingenieurberufskategorien hinweg ist die Nachfrage nach Ingenieuren gegenüber dem Vorjahreswert um 16,2 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum ist das Arbeitskräfteangebot in Form von arbeitslos Gemeldeten um knapp sieben Prozent zurückgegangen und lag im betrachteten Quartal bei monatsdurchschnittlich 24.940 Personen.

In der Konsequenz ist innerhalb nur eines Jahres – zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem dritten Quartal 2017 – die Engpassrelation von 261 auf 326 offene Stellen je 100 Arbeitslosen angestiegen. Das entspricht einem Anstieg um knapp 25 Prozent beziehungsweise um 65 zusätzlichen offenen Stellen je 100 Arbeitslosen. Von den sich zuspitzenden Engpässen sind allen voran bundesweit der Baubereich sowie in Süddeutschland die Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie die Energie- und Elektrotechnik betroffen. Darüber hinaus lässt sich in Ostdeutschland eine besonders starke Dynamik bei der Arbeitskräftenachfrage beobachten. Alleine in Sachsen legte die Anzahl offener Stellen gegenüber dem Vorjahreswert um über 43 Prozent zu. Gleichzeitig nahm die Arbeitslosigkeit in nahezu allen ostdeutschen Regionen im zweistelligen Bereich ab. Insbesondere in Sachsen sowie in der Region Sachsen-Anhalt/Thüringen führen die gegenläufigen Entwicklungen von Stellenangebot und Arbeitskräfteangebot zu einem überdurchschnittlichen Anstieg der Engpassrelation.

Wie angespannt sich die Situation auf dem Ingenieurarbeitsmarkt trotz zahlreicher Anstrengungen im Bereich der Fachkräftesicherung inzwischen gestaltet, verdeutlicht ein Blick auf die Absolventenzahlen und deren Entwicklung der vergangenen Jahre. So ist das Interesse an einem technisch-naturwissenschaftlichen Studiengang in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, was sich auch in den Absolventenzahlen widerspiegelt. Die OECD bescheinigt Deutschland in ihrem aktuellen Bericht „Bildung auf einen Blick“ den Spitzenplatz bei der MINT-Bildung. Sowohl bei der Studienanfänger- als auch bei der Absolventenquote in den MINT-Fächern liegt Deutschland im OECD-Vergleich deutlich an der Spitze.

Auch wenn diese Zahlen erfreulich sind, dürfen sie nicht über weitere Handlungsbedarfe hinwegtäuschen. Schon aktuell zeigen sich in einigen Arbeitsmarktregionen und Branchen Engpässe, die maßgeblich auf die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage zurückzuführen sind. Auch wenn die Konjunktur künftig wieder an Fahrt verlieren sollte, bleibt es eine Herausforderung die starken Jahrgänge, die in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, zu ersetzen. Um den Technologiestandort Deutschland zukunftssicher zu machen, müssen Anstrengungen unternommen werden, die Fachkräftebasis im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu sichern. Bezogen auf den Ingenieurarbeitsmarkt gilt es, neben der weiteren Förderung des Fachkräftenachwuchses auch vermehrt Frauen sowie ausländische Arbeitskräfte für den Ingenieurarbeitsmarkt zu gewinnen.